Björn Stecher | zuerst veröffentlicht auf dem Verbraucherportal VIS Bayern

Seit ein paar Jahren häufen sich die Stimmen derer, die den Niedergang des traditionellen PCs bzw. Notebooks vorhersagen – zumindest in der Mittlerrolle zwischen der analogen und der digitalen Welt. Dies ist zum einen der steigenden Verbreitung und Nutzung von mobilen Endgeräten wie Smartphones und Tablets geschuldet. Der aktuelle Digital-Index der Initiative D21 belegt einen konstanten Abwärtstrend bei der Nutzung von Desktop-PCs, wogegen Tablet-PCs und Smartphones große Steigerungsraten bei den Endbenutzern aufweisen.

Dieser Trend wird durch eine weitere Entwicklung ergänzt, nämlich der zunehmenden Vernetzung von Gegenständen, sowohl untereinander als auch mit dem Internet.

IN DIESEM BEITRAG FINDEN SIE:

  • Was bedeutet „Internet der Dinge“?
  • Wissenslücken schließen?
  • Von vernetzten Gegenständen zu Smart Devices
  • Kommunikation und Automation – die Achillesferse der smarten Welt

Was bedeutet „Internet der Dinge“?

Durch die Vernetzung können „Dinge“ selbständig kommunizieren, messen, regeln, steuern, navigieren, rechnen, dokumentieren oder alles zusammen.

Das Marktforschungsunternehmen International Data Corporation (IDC) schätzt, dass 2016 bereits 14,9 Milliarden „Dinge” miteinander digital verbunden sind. Diese Zahl soll sich bis 2020 noch einmal verdoppeln. Bereits 2017 sollen auf einen Bundesbürger sechs vernetzte Geräte kommen.

Eine Studie der Telekom von Juni 2015 belegt allerdings, dass rund 88 Prozent der Bundesbürger noch nie etwas von dem Begriff „Internet der Dinge” gehört haben. Die Ursache dieser Lücke zwischen Wahrnehmung und Realität liegt zu großen Teilen darin begründet, dass das „Internet der Dinge” von vielen NutzerInnen gar nicht als solches wahrgenommen wird. Begriffe wie Cloud-Computing, Apps oder Smart Devices dagegen sind im alltäglichen Sprachgebrauch fest verankert, da sie in konkrete Anwendungsfälle und Nutzungsszenarien eingebunden sind. Sie alle sind jedoch Teil der Idee vom „Internet der Dinge”.

Wissenslücken schließen

Der Begriff „Internet der Dinge” lässt sich am besten mit Praxisbeispielen verdeutlichen, die heute schon gelebte Realität in fast jedem Haushalt sind.

Beispiel Sendungsverfolgung bei Paketsendungen:
Das Logistikunternehmen bietet den Kunden die Möglichkeit, die Sendung während des Sendungsverlaufs im Internet zu verfolgen. Dabei wird an einzelnen Transport-Stationen – z.B. über Strichcodes – das Paket identifiziert und sein Standort an einen Server übermittelt. Der Standort und der damit verbundene Verarbeitungsprozess kann dann vom Kunden bequem abgerufen werden. Dieser Prozess ist digital vollautomatisiert und schließt die Wissenslücke zwischen der analogen Welt (Wo befindet sich das Paket?) und der virtuellen Welt (Wo kann ich im Internet sehen, wo sich das Paket befindet?).

Beispiel Wearables:
Ein anderes Beispiel findet sich auf dem Fitness-Markt wieder. Freizeit- und Profisportler greifen zur Unterstützung ihrer Trainingseinheiten immer mehr auf sogenannte „Wearables” zurück, z.B. Fitness-Armbänder mit Schrittzähler und Herzfrequenzmesser. Mit Hilfe dieser smarten Gadgets können Aktivitäten aufgezeichnet und ausgewertet, Erinnerungen für Trainingseinheiten hinterlegt oder Herzfrequenz-Grenzbereiche eingestellt werden. Die Auswertung der Daten ist für den Trainierenden selbst, aber auch für Trainingspartner, Trainer oder Verbände von Interesse. Datenströme über Trainingsleistungen und -entwicklung fließen so in Sekundenschnelle zu den jeweiligen Adressaten.

Was also bei der Betrachtung des „Internet der Dinge” im Vordergrund steht, ist die Kommunikation von Zuständen und besonders deren Weiterverarbeitung (z.B. das Paket ist am Standort X, die Herzfrequenz vom Sportler ist Y). Ist die Information über einen Zustand bereits schon wertvoll, bietet die Auswertung und ggfs. eine Reaktion darauf (z.B. voraussichtlicher Zustelltermin des Pakets wird korrigiert, Trainingsplan wird angepasst) den eigentlichen Mehrwert.

Von vernetzten Gegenständen zu Smart Devices

Wenn „Dinge” anfangen, sich miteinander zu vernetzen und zu kommunizieren, redet man häufig von „smarten” (intelligenten) Gegenständen. Dies hat sich insbesondere bei größeren Infrastruktursystemen durchgesetzt.
„Smart Parking” zum Beispiel beschreibt ein innerstädtisches Parkleitsystem, das Verkehrsströme und freie Parkplätze mit Sensoren erkennt und so Autofahrer effektiver zu einer Parkmöglichkeit führt.
„Smart Roads” nutzen eine ähnliche Sensortechnik und adaptieren beispielsweise Geschwindigkeitsbeschränkungen je nach Verkehrsaufkommen.
„Smart Grid” umfasst das Konzept von intelligenten Energie- und Versorgungsnetzen, die flächendeckenden Bedarf und Verbrauch monitoren und managen können.

Dem privaten Anwender sind systemische Komponenten-Lösungen bekannt durch sogenannte „Smart Home” Technologien. Dies ist die Vernetzung von Haustechnik und Haushaltsgeräten, wie zum Beispiel Lampen, Jalousien, Türschlösser, Heizung, Kühlschrank, Herd oder Waschmaschine. Auch Unterhaltungsgeräte wie TV oder HiFi-Anlagen können in einem intelligenten Wohnhaus mitvernetzt werden. NutzerInnen können so zum Beispiel von unterwegs schon die Heizung aufdrehen. Türschlösser öffnen sich, sobald man sich mit seinem Smartphone der Haustür nähert, oder der Kühlschrank erinnert daran, dass sich die Haltbarkeit der Milch dem Ende nähert.

Kommunikation und Automation – die Achillesferse der smarten Welt

Die Stärke und das Potenzial von vernetzten und kommunizierenden Gegenständen ist aber gleichzeitig auch die größte Schwäche, wenn nicht sogar deren Achillesferse. Denn wie der Name schon suggeriert, bildet die Kommunikation über das „Internet für die Dinge“ die Grundlage aller Vernetzung. Diese Kommunikation verläuft mittels des sogenannten „Internet Protocols” (IP), das die Grundlage für das Internet stellt. Und genauso, wie PCs und Notebooks über das Internet Gefahren von Hackern und Trojanern ausgesetzt sind, können auch IP-fähige Kühlschränke, Fitness-Armbänder oder intelligent vernetzte Autos Ziele von Cyberangriffen werden.

Auch Fragen des Datenschutzes und der Kontrolle über die eigene Privatsphäre sind mit dem Aufkommen des „Internet der Dinge“ verbunden. Wenn sich zum Beispiel der Kühlschrank mit dem Supermarkt vernetzt, bedeutet das für den Nutzer eine teilweise Aufgabe der Kontrolle von personenbezogener Kommunikation. Wenn Autos mit Verkehrsleitsystemen kommunizieren und kontinuierlich Standortdaten übermitteln, wirft das die Frage nach der Sicherung von Privatsphäre und Anonymität auf.

Auch kann die automatisierte Weitergabe von personenbezogenen Daten zu Fällen von Diskriminierung führen, beispielsweise im Gesundheitssystem. Versicherungen haben großes Interesse daran zu erfahren, wie sich ihre Versicherten ernähren, wie viel und welchen Sport sie treiben oder in welchen Mengen sie Alkohol und Zigaretten konsumieren. Wenn diese Daten dann Grundlage für Versicherungsprämien werden, dann muss hier die Frage nach einer diskriminierungsfreien Dienstleistung geklärt werden. Nicht zuletzt stehen Fragen von Haftung und Verantwortung im Raum, wenn durch steigende Automation immer mehr Entscheidungen durch Algorithmen und smarte Systeme gefällt werden.