Björn Stecher | zuerst veröffentlicht auf dem Verbraucherportal VIS Bayern, Dezember 2016

E-Commerce, der Handel mit Waren im und über das Internet, ist eine der Boom-Branchen schlechthin. Der Umsatz mit Waren betrug im Online- und klassischen Versandhandel im Jahr 2015 stolze 52,37 Milliarden Euro. E-Commerce schafft Arbeitsplätze, sorgt für Innovationen in der Webwelt und wirtschaftliches Wachstum. Indes: Die Zahlen und damit die volkswirtschaftlichen Effekte könnten noch sehr viel besser sein. Denn noch immer sind Bedenken der Verbraucher im Hinblick auf Seriosität und vor allem Datenschutz bei weitem die Hauptursache für abgebrochene Transaktionen im E-Commerce. Würde man diesen Bedenken effektiv begegnen können, wäre der Wirtschaftszweig E-Commerce einer der führenden Wachstumstreiber in Deutschland.

IN DIESEM BEITRAG FINDEN SIE:

  • Informationen über Verbraucherschutz
  • Was sind „Billig-Siegel“?
  • Projekt Internet-Gütesiegel

 

Mehr Verbraucherschutz

Eine Möglichkeit für mehr und besseren Verbraucherschutz im Internet stellen Gütesiegel dar. Das Prinzip ist recht einfach: Ein Onlineshop beantragt bei einem Zertifizierungsanbieter ein Siegel, das beweist, dass er sich an bestimmte, vom Anbieter vorgegebene Standards hält. Der Kunde, der bei diesen Onlineshop etwas bestellt, kann dann sicher sein, dass zum Beispiel sein Vertragspartner auch derjenige ist, für den er sich ausgibt, dass er einen Ansprechpartner für etwaige Rückfragen oder Beschwerden genannt bekommt oder dass der Datenschutz und sonstige verbindliche Regularien durch den Online-Shop beachtet werden.

Im Einzelfall schlichtet der Siegelanbieter bei Streitfällen zwischen Shop und Kunde oder springt sogar mit finanziellen Mitteln ein. Dabei wird der Siegelanbieter nicht nur auf eine Beschwerde eines Kunden über einen bestimmten Shop hin aktiv. Vielmehr sichert er im Rahmen seiner Prüfungen die Einhaltung aller verlangten Kriterien über den gesamten Zeitlauf der Siegelvergabe. Erfüllt ein Shop die ihm vom zertifizierenden Siegelanbieter aufgegeben Forderungen nicht, kann dies sogar zum Entzug des Siegels mit entsprechendem Imageverlust führen.

 

„Billig-Siegel“

Natürlich haben die Siegelanbieter verschiedene Geschäftsmodelle und nicht jedes Siegel am Markt bietet auch wirklich die Qualität, die es verspricht. Der Markt der Internet-Siegel hat sich zwar in den letzten Jahren selbst reguliert und viele unseriöse Siegel sind verschwunden. Aber noch immer gibt es Siegelanbieter, die sich einfach ein Label „zusammenschustern“, ohne die erforderliche fachliche Kompetenz und die notwendige personelle Ausstattung zu haben. Und es gibt noch immer Online-Shops, die für diesen vermeintlichen Mehrwert Geld ausgeben. Eine Folge davon ist, dass der Verbraucher auf eine Vielzahl unterschiedlichster Siegel und Label trifft und im Zweifel angesichts dieser Schwemme nicht mehr unterscheiden kann, welches Siegel ihn denn nun wirklich schützt.

 

Projekt Internet-Gütesiegel

Die Initiative D21 hat sich seit ihrer Gründung im Jahre 1999 auch dem Verbraucherschutz im Internet verschrieben. In ihrem Projekt Internet-Gütesiegel haben sich Anbieter von Internet-Gütesiegeln in einem Monitoring-Board mit unabhängigen Experten aus den Bereichen Verbraucher- und Datenschutz, wie etwa dem Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz, dem Unabhängigen Landeszentrum für Datenschutz Schleswig-Holstein, dem Verbraucherzentrale Bundesverband und der Wettbewerbszentrale, zusammengeschlossen und einen Kriterienkatalog für mehr Daten- und Verbraucherschutz im Netz erarbeitet, dem sie sich freiwillig unterworfen haben.

Dieser Kriterienkatalog umfasst Regularien und Maßnahmen, die über den gesetzlichen Rahmen hinausgehen und deren Einhaltung die Siegelanbieter im Wege der Selbstverpflichtung damit auch ihren Kunden – den Online-Shops – auferlegen. Ein Beispiel hierfür ist, dass etwa die zertifizierten Shops auf den Einsatz von datenschutzrechtlich bedenklichen Statistiktools wie etwa Google-Analytics verzichten. Mittelbar sind somit rund 20.000 Online-Shops in Deutschland zertifiziert und bieten so den Verbrauchern ein Mehr an Schutz und Sicherheit.

 

Monitoring-Board der Initiative D21 – Gütesiegelanbieter – Webshop

Bei den im Monitoring-Board mitwirkenden Siegelanbietern handelt es sich um die Unternehmen

Trusted Shops GmbH,                                                                                 Gütesiegel Trusted Shops, copyright Trusted Shops GmbH

datenschutz cert GmbH (internet privacy standard),                Gütesiegel ips, copyright datenschutz cert GmbH

EuroLabel Deutschland (EHI Geprüfter Online-Shop) und       Gütesiegel EHI, Copyright EuroLabel Deutschland

die TÜV Management Service GmbH (s@fer shopping).            Gütesiegel s@fer shopping, Copyright TüV Süd GmbH

Natürlich haben alle diese Anbieter verschiedene Geschäftsmodelle und auch die Prüftiefe variiert von Fall zu Fall. Allen gemein ist aber die Tatsache, dass sie freiwillig mehr Verbraucher- und Datenschutz bieten, als die gesetzlichen Bestimmungen vorgeben.

Das Monitoring-Board selbst übt im Übrigen zugleich auch eine Art Aufsichtsfunktion aus: Ist der Verbraucher mit der Leistung trotz Einschaltung des Siegelanbieters nicht zufrieden, so kann er sich mit seiner Beschwerde an das Monitoring-Board wenden. Mittlerweile haben sich in der E-Commerce-Landschaft in diesem Segment im Wesentlichen diese vier Siegel aufgrund ihrer Expertise durchgesetzt. Der Verbraucher kann sich dabei sicher sein, dass die Vergabe eines dieser Siegel für ihn einen großen Mehrwert mit sich bringt.

Um sich zu vergewissern, dass das Siegel noch gültig ist, kann man mit einem Klick auf das Siegel oder einem dabei angegebenen Link das bei der Verleihung vom Siegelanbieter vergebene Zertifikat einsehen. Ist dies nicht hinterlegt, dann ist Vorsicht geboten: Hier sollte umgehend der Siegelanbieter informiert werden. Es kann sich bei dem betreffenden Online-Shop durchaus auch um einen Trittbrettfahrer handeln, der sich die Vorteile eines solchen Siegels zu Unrecht zu erschleichen versucht.