Björn Stecher | zuerst veröffentlicht auf dem Verbraucherportal VIS Bayern, Juli 2017

Spätestens seit dem US-Präsidentschaftswahlkampf 2016 zwischen Hillary Clinton und Donald Trump ist der Begriff “Social Bot” durch die Berichterstattung der Medien bekannt geworden.

IN DIESEM BEITRAG FINDEN SIE:

  • Was bedeutet „Social Bot“?
  • Wie funktioniert ein „Social Bot“?
  • Trolle 2.0: Eine Gefahr für die Demokratie?
  • Mensch oder Maschine – wie erkennt man den Unterschied?

Was bedeutet Social Bot?

Der Name “Bot” ist eine Kurzform des englischen Begriffs “robot” (Roboter). Dahinter verbirgt sich ein Computerprogramm, das, ähnlich wie eine automatisierte Maschine, darauf programmiert ist, bestimmte Aufgaben zu bearbeiten, ohne dass ein Mensch eingreifen muss. Ein “Social Bot” ist speziell darauf programmiert, sich kommunikativ in sozialen Netzwerken zu beteiligen und auf bestimmte Eingaben automatisch zu reagieren.

Wie funktioniert ein Social Bot?

Wie genau diese automatisierte Kommunikation funktioniert, hängt mit dem jeweiligen Netzwerk oder Anbieter zusammen. Auf Facebook können z. B. sogenannte Chatbots eingesetzt werden. Diese interagieren und kommunizieren direkt mit den Nutzenden in einem Chat. Dabei geben sie zum Beispiel Auskunft über Wetter und Börsendaten oder aber informieren zu Bestellvorgängen und dem aktuellen Lieferstatus einer Sendung.

Beim Microblogging-Dienst Twitter agieren Social Bots aus eigenen Profilen heraus, bei denen oftmals nicht ersichtlich ist, ob es sich um reale Nutzende oder um programmierte Roboter handelt. Diese Bots sind in der Regel auf bestimmte Schlüsselwörter oder sogenannte Hashtags programmiert, auf die sie dann wiederum mit vorgefertigten Informationen reagieren.

Je nach Programm können die Bots in unterschiedlichen Komplexitätsstufen agieren: Die einfachsten retweeten oder favorisieren Nachrichten mit bestimmten Hashtags. Das sorgt für eine größere Verbreitung und erhöht die Aufmerksamkeit auf einen Beitrag. Bei komplexeren Bots erstellt ein Algorithmus selbst eigene Beiträge, teilweise auch gezielt mit geplanten Pausen und Tippfehlern, um menschlich zu wirken.

Trolle 2.0: Eine Gefahr für die Demokratie?

Viele Experten sehen den Einsatz von Social Bots sehr kritisch, insbesondere bei der öffentlichen Meinungsbildung. Immer mehr Menschen informieren sich online über Nachrichten und das politische Geschehen. Soziale Netzwerke spielen dabei sowohl als Nachrichtenquelle als auch als Ort der Meinungsbildung eine immer bedeutendere Rolle. Da stellt sich dann die Frage, inwieweit Social Bots dazu beitragen können, Nutzende durch gezielte Desinformation zu manipulieren und so die öffentliche Meinung zu beeinflussen.

In sozialen Netzwerken wie Twitter und Facebook, aber auch Instagram, Google+ oder den Leserkommentarbereichen von Onlinemedien sind die automatisierten Beiträge von den von Menschen verfassten Beiträgen kaum zu unterscheiden. Bei entsprechender Anzahl von Social Bots kann so zum Beispiel bei einer politischen Diskussion im Netz der Eindruck suggeriert werden, dass eine bestimmte Haltung oder Position weit verbreitet oder sogar vorherrschend ist. Für die Initiatoren der Bots geht es dabei in erster Linie darum, Präsenz zu zeigen, Debatten an sich zu reißen und manchmal vielleicht auch einzuschüchtern. Diskussionen im Netz könnten so entscheidend beeinflusst werden.

Nicht wenige Politiker äußern daher auch die Befürchtung, dass Social Bots im Wahlkampf sogar Wahlentscheidungen maßgeblich beeinflussen könnten. Im Vorfeld der Brexit-Entscheidung und im US-Präsidentschaftswahlkampf haben Experten mehrfach auf den massenweisen Einsatz von Bots hingewiesen. Laut einer Analyse zum Wahlkampf wurden zeitweise 19 Prozent der Pro-Trump- oder Pro-Clinton-Botschaften von Social Bots verbreitet. Für den Bundestagswahlkampf 2017 haben sich daher die im Bundestag vertretenen Parteien dafür ausgesprochen, auf den Einsatz von verdeckten Social Bots zu verzichten.

Mensch oder Maschine –  wie erkennt man den Unterschied?

Einem Beitrag sieht man auf den ersten Blick nicht unbedingt an, ob er aus der Feder eines Menschen oder dem Algorithmus eines Bots entspringt. Es gibt allerdings eine Reihe von möglichen Indizien, die helfen können, einen Social Bot zu entlarven:

  • Finden sich auf dem Account “menschliche” Informationen, zum Beispiel Angaben zu Hobby, Beruf oder Beziehung?
  • Findet sich ein Klarname, den man googeln kann?
  • Ist der Account sehr neu?
  • Sind die Beiträge thematisch vielfältig oder konzentrieren sie sich nur auf ein Thema?
  • Wie schnell reagiert der Account auf andere Beiträge, zum Beispiel mit einem Retweet?
  • Wie häufig wird gepostet und zu welcher Tageszeit?

Es etablieren sich auch immer mehr Akteure im Netz, die sich bemühen, Social Bots zu entlarven und darüber zu informieren. Das Projekt Botswatch zum Beispiel will für den Umgang mit Social Bots sensibilisieren und so für mehr Transparenz im Netz sorgen. Botswatch definiert dabei einen Account als Bot, wenn mindestens 50 Tweets pro Tag veröffentlicht werden. Wenn Beiträge dazu zu jeder Tages- und Nachtzeit abgesetzt werden, ist es ziemlich wahrscheinlich, dass dahinter kein Mensch steckt.