Jedes Jahr im April laden wir gemeinsam mit sieben unserer Mitgliedsunternehmen und Frau Bundeskanzlerin Merkel zum Girls’Day-Auftakt ins Bundeskanzleramt. Hier wird den anwesenden Mädchen aus drei Berliner Schulen traditionell eine Schätzfrage gestellt. “Wie viel Prozent der Studierenden, die im Wintersemester 2016/17 ein Studium der Ingenieurwissenschaften begannen, waren Frauen?”, lautete die Frage. Sedra hatte das beste Schätzgefühl und kam der Antwort – 24,74 Prozent – am nächsten. Die Freude bei ihr war groß, als Bundeskanzlerin Angela Merkel ihr den Gutschein persönlich überreichte und einen spannenden Aktionstag versprach.

Und spannend sollte es wirklich werden, denn Sedra und ihre Mitschülerinnen wurden in die Entwicklerwerkstatt FabLab Berlin eingeladen. Hier würden die Mädchen erfahren, wie modernes Erfinden aussieht. Den interaktiven Workshop machten die sieben unserer Mitgliedsunternehmen finanziell möglich, die an der Girls’Day Auftaktveranstaltung 2017 im Bundeskanzleramt teilnahmen: Cornelsen, Deloitte, digitalSTROM, Fraunhofer, Hasso Plattner Institut (HPI), Intel und Kathrein.

So standen im Juli die Schülerinnen in den Räumen des FabLabs und staunten nicht schlecht über die Vielzahl großer Maschinen. Halbautomatische Webstühle, T-Shirt Druckstationen, CNC Fräsen, Holzlaser und vieles mehr erzeugten zunächst viele Fragezeichen in den Gesichtern. Gesunde Neugier und die Möglichkeit, alles ausprobieren zu können, nahmen nach und nach die Berührungsängste, schließlich ist beispielsweise das Sandstrahlen von Holzoberflächen nach der eigenen Vorstellung ganz neu für die Mädchen, aber gerade deswegen auch sehr aufregend. Die Stimmung war schnell gelockert und der Wunsch, zu entwickeln und zu erschaffen geweckt.

Dieser Wunsch nach mehr konnte nun in den verschiedenen Workshops ausgelebt werden. An Station Nummer eins wartete ein Autoroboter darauf, zusammengebaut zu werden. Dazu mussten die Mädchen ihre nun gewonnen Kenntnisse im Löten unter Beweis stellen. Aber nicht nur handwerkliches Geschick war gefragt, schließlich will ein Auto auch gefahren werden. Über eine spezielle Software musste das Auto nun programmiert werden. Dass beim technischen Arbeiten immer auch Raum für kleine Albernheiten bleibt, wurde auch bewiesen: So fuhr am Ende ein miauender Autoroboter durch das FabLab. Ein toller erster Erfolg!

Kreativ wurde es dann an Station Nummer zwei. Hier entwarfen die Schülerinnen einen kleinen Schlüsselanhänger und ließen ihn im 3D-Drucker ausdrucken. Aufgeregt beobachteten sie den Drucker, während dieser Schicht für Schicht den Anhänger zusammenfügte. Die Mädchen konnten es kaum erwarten, ihren Entwurf endlich in den Händen halten zu können.

An Station Nummer drei ging es noch einmal um das Thema Elektrotechnik. Betreut durch Sami, einem ehemaligen Schülerpraktikanten der nun selbst als Lehrer im FabLab fungiert, wurden vorgefertigte Holzplatten mit verschiedenen Motiven, wie z. B. Herzen oder Smileys, mittels LED-Leuchten und ein wenig Lötzinn zu tollen Nachttischlampen zusammengebaut.

Selbst nach sechs Stunden konzentriertem Arbeiten war die Aufmerksamkeit und die Begeisterung der Schülerinnen ungebrochen. Der Raum knisterte vor Ideen und Stolz auf das Geschaffene. Leider muss jeder tolle Tag irgendwann zu Ende gehen. Neben vielen neuen Fähigkeiten und Eindrücken sowie den selbstentworfenen und angefertigten Geschenken gab es sogar noch eine 1-monatige Mitgliedschaft gratis vom Team des FabLabs geschenkt. Dass das genau das Richtige war, zeigte sich in dem sofortigen Vereinbaren für ein Wiedersehen. Aber nicht nur das, noch in der gleichen Woche sendeten einige der Mädchen eine Bewerbung für ein Schülerpraktikum ans FabLab. Das beweist: Werden Mädchen und junge Frauen lebensnah und interessant an sogenannte MINT-Tätigkeitsfelder herangeführt, erweitert sich ihr Kenntnishorizont und neue oder bisher nicht hinreichend bediente Interessen und Kompetenzen werden geweckt. Das ist der beste Weg, das Berufswahlspektrum zu erweitern und noch immer gefestigte Rollenmodelle zu überwinden. Und dann arbeiten kreative Frauen auch voller Hingabe an großen Maschinen.

D21 Girlsday Auftakt 2017
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