Berlin, 10. Oktober 2018. Die Vermittlung digitaler Kompetenzen ist von zentraler Bedeutung für die heranwachsende Generation. Doch die Digitalisierung ist nicht nur Inhalt, sie verändert auch das Bildungssystem und die Schule selbst. Insbesondere die Möglichkeiten durch die enormen Entwicklungen in der Künstlichen Intelligenz spielen eine entscheidende Rolle in den Zukunftsszenarien – Länder wie China setzen KI bereits intensiv im Bildungsbereich ein. Doch wo Programme Entscheidungen vorbereiten oder treffen, da treten auch ethische Spannungsfelder auf: Welche Daten soll ein Programm nutzen dürfen? Was wertet es wie aus, mit welchen Systemen und welchen Personen teilt es diese Daten? Diesen und anderen Gedanken ging eine gemeinsame Sitzung der Arbeitsgruppen Bildung und Ethik nach und ermöglichte so interdisziplinäre Perspektiven.

Wo KI in der Bildung bereits heute zum Einsatz kommt

Für viele Menschen ist es überraschend zu sehen, wie weit Künstliche Intelligenz bereits in unseren Alltag vorgedrungen ist. Denn KI unterstützt, vereinfacht und beschleunigt bereits heute zahlreiche Prozesse – auch im Bildungsbereich. Was ändert sich also für die Lehrkräfte und die Generation der Schülerinnen und Schüler? Inwieweit verändert der Einsatz von KI die Lernmethoden und traditionelle Rollen der Pädagogik?

Michael Dietrich vom Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz (DFKI) gab Einblicke in die Technik und stellte mögliche Anwendungsfelder am Beispiel verschiedener Universitäts-Plattformen vor, die KI einsetzen. Vor allem die höhere Anzahl verfügbarer Daten trage maßgeblich dazu bei, dass die Maschinen schneller und besser lernen, wodurch auch die Einsatzmöglichkeiten immer weiter steigen – und damit das Potenzial, das Bildungssystem zu revolutionieren.

Doch was sagt der Blick in die Praxis zur Anwendung von KI im Schulunterricht? Jacob Chammon, Leiter der Deutsch-Skandinavischen Gemeinschaftsschule Berlin, erklärte zunächst, warum man Kinder aus seiner Sicht darauf vorbereite sollte, in einer digitalisierten Welt zu leben. Es sei von entscheidender Bedeutung, dass die Lehrer offen für neue Themen sind, sich regelmäßig fortbilden und das Interesse an digitalen Medien fördern. Dann könne auch KI den etablierten Unterricht sinnvoll unterstützen.

Pädagogik  und Technik

von links: Jacob Chammon, Michael Dietrich, Milos Kravcik und D21-Geschäftsführerin Lena-Sophie Müller

In der gemeinsamen Diskussion über die Möglichkeiten und Tragweite des Einsatzes von KI in der Bildung machten sich die Vertreter des DFKI, Milos Kravcik und Michael Dietrich, dafür stark, die erfassten Daten nur für das unmittelbare Erreichen des Lernerfolgs zu nutzen. Die NutzerInnen sollten wissen und nach Möglichkeit auch steuern können, wo und zu welchem Zweck die Daten genutzt werden. Eine KI könne dabei helfen, schulische und universitäre Bildung zu verbessern.

Nicht nur technisch unterstütztes „Feedback“, sondern ein vorausschauendes „Feedforward“ wünschte sich Jacob Chammon, um dem Bedarf der Schülerinnen und Schüler individueller zu entsprechen. Bei Entscheidungen und Beurteilungen für ein Kind sollten „am Ende immer ein Mensch dahinter stehen“, so der Schulleiter.

Stimmen zur gemeinsamen Sitzung der AG Bildung und AG Ethik

„Am Ende muss immer der Mensch entscheiden“, Jacob Chammon

„KI kann Prozesse effizienter und effektiver machen“, Dr. Nora Schultz

„Wichtig, dass wir uns mit ‚Bildung in der Ethik‘ und ‚Ethik in der Bildung‘ auseinandersetzen“, Thomas Langkabel