Gemeinsam. Digital. Resilient: Ageing with Tech Festival 2026
Zwei Tage lang stand Hamburg im Juni im Zeichen von „Ageing with Tech“. Als Partner der Körber-Stiftung haben wir beim Festival Antworten gefunden auf die Frage: Wie nutzen wir als Gesellschaft clever die Chancen von Alterung und Digitalisierung – und was hilft uns dabei?
Lebenslanges Lernen ist ein Privileg unserer demokratischen Gesellschaft. Und es ist gleichzeitig ein Spannungsfeld: Es erhöht unsere Adaptionsfähigkeit, aber schafft auch einen Anpassungsdruck.
Irina Eckardts Worte bei der gemeinsamen Begrüßung mit Julia André von der Körber-Stiftung trafen den Nerv des Festivals: Digitale Resilienz ist kein Zustand, den man irgendwann erreicht. Sie ist eine Haltung – das Können und das Wollen, im digitalen Wandel handlungsfähig zu bleiben. Und ältere Menschen sind dabei keine Randnotiz, sondern mittendrin in einer Gesellschaft, die gemeinsam älter wird.
Immer wieder wurden beim Festival auch grundlegende Fragen gestellt. Age Bombs-Gründer Robert Eysoldt warb zum Beispiel für folgenden Perspektivwechsel: Die eigentliche Innovation ist, dass wir als Gesellschaft älter werden – und Technologie sollte sich daran anpassen, nicht umgekehrt. Diese Perspektive zog sich durch viele Gespräche und Zukunftsbilder der zwei Tage: Wie sieht eine Gesellschaft aus, die das Älterwerden als Gestaltungsauftrag begreift – und Technologie konsequent von dort aus denkt?
Optimismus, Aufbruch und jede Menge Lust auf Digitalisierung prägten beide Festivaltage – vom voll besetzten Tech For Society Slam über lebhafte Lightning Talks bis hin zu hands-on Partner-Stages wie der von den Taikonauten, in der ko-kreativ mit der Backcasting-Methode ins Jahr 2035 geschaut wurde. Isabelle Rosière (Deutschland sicher im Netz) zeigte in ihrer Keynote, warum digitale Resilienz zur Schlüsselkompetenz im demografischen Wandel wird. Ein Blick ins Nachbarland mit Ferdinand Scheidbach vom Bundeskanzleramt Österreich öffnete den Horizont: Was passiert, wenn E-Government niedrigschwellig gedacht und in einer altersübergreifenden digitalen Kompetenzoffensive alle Menschen mitgenommen werden? Und Fabian Grischkat hatte für seine Abschlusskeynote seine Oma interviewt, die pointiert über ihre Haltung zu digitalen Medien, ihrem Nutzen und ihren Herausforderungen sprach.
Zivilgesellschaft und Wohlfahrtsverbände, Wirtschaft, Kommunen, Forschung und viele engagierte Senior*innen diskutierten beim Festival Seite an Seite und planten gemeinsame Projekte.
Ein herzliches Dankeschön an die Körber-Stiftung für ein gemeinsames Festival, das zeigt: Digitale Resilienz ist keine Frage des Alters. Sie ist eine Frage der Haltung – und die lässt sich in jedem Alter entwickeln.
Lust auf mehr? Hier geht’s zu den Mitschnitten!
Tech for Society Slam – Superkraft Digitale Resilienz!
- Jan Kettler, Datenschutz und Anonymisierung und natürlich auch Verkehr
- Sabrina Frohn, Wow, das war problematisch! – KI-Übersetzungen und ihre Tücken
- Johannes Schildgen, Möchten Sie vielleicht Pommes zu den Pommes?
- Interview mit Björn Staschen | Save Social & Digital Independence Day
- Moderation: Insina Lüschen
Technologischer Fortschritt ist mehr als Effizienzsteigerung, Automatisierung und coole Tools und Gadgets. Innovationen können Menschen stärken, Teilhabe ermöglichen und unsere Gesellschaft widerstandsfähiger machen. Darum stand beim Tech for Society Slam 2026 alles im Zeichen der digitalen Resilienz. Im Fokus standen Forschungsprojekte, die zeigen, wie Technologie uns hilft, in einer älterwerdenden Gesellschaft stark und handlungsfähig zu bleiben – gegen Polarisierung, Spaltung und Desinformation, für digitale Teilhabe, Schutz, Empowerment und inklusive Lösungen.
Im Abschlussgespräch mit Björn Staschen vom Digital Independence Day lieferten wir digitale Wechselrezepte und Ideen, wie das eigene digitale Leben unabhängiger wird.
In Kooperation mit Science Slam Hamburg
Begrüßung: Die Förderung der digitalen Resilienz im Alter als Schlüsselkompetenz
- Julia André | Körber-Stiftung
- Dr. Irina Eckardt | Initiative D21
Zum Opening spannen die Gastgeberinnen den Bogen zwischen den Megatrends demografischer Wandel und technologischer Fortschritt – und zeigen, warum daraus eine Schlüsselaufgabe entsteht: die Förderung der digitalen Resilienz im Alter. Sie ordneten ein, grenzten ab und erläuterten, welche Aspekte beim Festival im Fokus stehen – damit Menschen und Organisationen die Fähigkeit entwickeln, digitale Veränderungen souverän zu bewältigen: mit Kompetenzen, Orientierung, Sicherheitsbewusstsein und dem Vertrauen, Neues lernen und aktiv gestalten zu können.
Zwischen Digital Natives und Silver Surfern – Wo digitale Resilienz wirklich beginnt
- Isabelle Rosière | Deutschland sicher im Netz (DsiN)
Digitale Resilienz wird zur Schlüsselkompetenz im demografischen Wandel: die Fähigkeit, mit Veränderungen und Herausforderungen der digitalen Gesellschaft gelassen, selbstbestimmt und aktiv umzugehen. In ihrer Keynote zeigte Isabelle Rosière (Geschäftsführerin, Deutschland sicher im Netz), warum digitale Resilienz dafür ein entscheidender Faktor ist, wie digitale Teilhabe gelingen kann und wie digitales Engagement den gesellschaftlichen Dialog stärkt. Sie beleuchtete was Politik, Zivilgesellschaft und jede*r Einzelne tun kann, um Polarisierung und Desinformation wirksam zu begegnen und digitale Zugänge so zu gestalten, dass niemand zurückbleibt.
Raging with Tech – Polarisierung und Desinformation begegnen
- Dennis Hebbelmann | RAGE-Prävention
In einem Lightning Talk voller AHA-Momente nahm uns der Psychologe Dennis Hebbelmann mit in seine aktuelle Forschung zu Radikalisierung von Älteren im Netz. Sein bundesweit einzigartiges Projekt „RAGE – Prävention“ entwickelt praxistaugliche Konzepte, wie man den Radikalisierungstendenzen im Alter wirksam begegnet. Das Projekt wird im Rahmen des ESF Plus-Programms „Bildung und Engagement ein Leben lang“ durch das Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend und durch die Europäische Union über den Europäischen Sozialfonds Plus (ESF Plus) gefördert.
Engagement Älterer mit Technologie stärken
- Philipp Witzmann | nebenan.de
Karin Demming | bring-together.de
Wie kann Technologie das Engagement älterer Menschen nicht nur erleichtern, sondern richtig wirksam machen? In diesem Panel schauten wir auf zwei beeindruckende Wege: Philipp Witzmann, Geschäftsführer von nebenan.de zeigte, wie digitale Plattformen „klassisches“ Engagement und Nachbarschaftshilfe stärken – niedrigschwellig, lokal und alltagsnah. Die Zugabe-Preisträgerin Karin Demming, Gründerin und Geschäftsführerin von bring-together.de, brachte die Perspektive von Social Entrepreneurship ein: Wie entsteht gesellschaftliche Wirkung, wenn Tech und Engagement zusammenkommen? Hier gab es konkrete Impulse wie Engagement im digitalen Wandel wachsen kann.
Zugänge gestalten, die wirklich ankommen
- Ferdinand Scheidbach | Digital Austria
Wie kann der Zugang zur Digitalisierung besser gelingen, inwiefern erleichtern bürgernahe E-Government Services den Alltag und wie wird Selbstwirksamkeit gefördert? Ein Blick nach Österreich hat uns neugierig gemacht: Dort bündelt „Digital Austria“ als staatliche Plattform die digitale Transformation – mit dem Anspruch, das Land bis 2030 „digital fit“ zu machen.
Welche Möglichkeiten eröffnen sich, wenn ein sicherer, staatlicher Zugang zu digitalen Services (inklusive digitalem Signieren) zum Standard wird? Was passiert, wenn bürger*innennahe E-Government Services konsequent weiterentwickelt werden und den Online-Zugriff auf Pensionskonto, Gesundheits- oder Steuerakt ganz einfach machen? Wenn regional kostenlose und praxisnahe Digital Workshops angeboten werden – von Internetsicherheit über digitale Amtswege bis KI – und dabei regionale Weiterbildungsmöglichkeiten entstehen, die Austausch und Vernetzung gleich mitdenken? Welche dieser Bausteine wären bei uns echte Türöffner? Wo wären Hürden vielleicht kleiner, als wir denken – und wo liegen die blinden Flecken, die erst im Vergleich sichtbar werden?
Posten, was ist
- Fabian Grischkat | Journalist & Newsfluencer
Wenn der Journalist, Newsfluencer und Author Fabian Grischkat die Bühne für eine Motivational Closing Note betritt, bringt er nicht nur Energie mit – sondern auch seine Oma. Und die kennt sich mit Desinformation im Netz offenbar besser aus, als er selbst. (Sagt er zumindest.). Hier lieferte er uns einen pointierten, humorvollen Abschluss über digitale Verantwortung, kluge Bauchgefühle und die Frage, wie wir in einer Welt voller Screens den Durchblick behalten – generationenübergreifend, alltagsnah und mit einem klaren Take-away: Alter ist Know-how. Und Know-how ist bekanntlich Macht – auch online.