#GovTalk 2025 – Zwischen Anspruch und Wirklichkeit: Verwaltungsdigitalisierung als Handlungsauftrag für Vertrauen und Demokratie
Nur noch ein Drittel der Deutschen hat (sehr) großes Vertrauen in den Staat – 2022 waren es noch 38 %. Die Ergebnisse des eGovernment MONITORs 2025 verdeutlichen: Eine leistungsfähige digitale Verwaltung kann entscheidend sein, damit Bürger*innen den Staat als handlungsfähig erleben und das Vertrauen in die Demokratie gestärkt wird. Wie das gelingen kann, stand im Fokus des #GovTalk 2025.
Berlin. In Deutschland erwarten 66 % der Bürger*innen, dass sie Verwaltungsdienstleistungen genauso einfach und bequem online in Anspruch nehmen können wie die Leistungen von Privatunternehmen. Eine vollständig digitale Verwaltung können sich zudem mehr als zwei Drittel gut vorstellen. Doch nur 15 % sagen: Die digitale Verwaltung wird meinen Ansprüchen gerecht. Was bleibt, ist eine Erwartungslücke zwischen Anspruch und Wirklichkeit der digitalen Verwaltung. Jene Diskrepanz kann letztlich auch dazu führen, dass das Vertrauen in den Staat zurückgeht. So hat das Staatsvertrauen nach 38 % im Jahr 2022 und 35 % im Jahr 2023 einen neuen Tiefpunkt erreicht und beträgt nur noch 33 %. Einen weiteren Rückgang können wir uns nicht leisten.
Mit diesen Erkenntnissen aus dem diesjährigen eGovernment MONITOR begrüßten Lena-Sophie Müller (CEO der Initiative D21) und Moderatorin Ann Cathrin Riedel (Geschäftsführerin des NExT e. V.) beim #GovTalk im Bundesinnenministerium über 160 Vertreter*innen aus Politik, Verwaltung, Wissenschaft, Wirtschaft und Zivilgesellschaft, um gemeinsam darüber zu diskutieren, wie die Nutzung sowie Akzeptanz digitaler Verwaltungsdienstleistungen und somit die staatliche Leistungsfähigkeit gestärkt werden kann, um das Vertrauen in den Staat zurückzugewinnen. Mit Blick auf den bevorstehenden Tag betonte Müller:
Uns ist wichtig, dass wir heute verschiedene Themen und Perspektiven anreißen. Die Studie gibt einen Einblick in den Blick der Bürger*innen. Das Ziel des #GovTalk ist es nun, diese Studienergebnisse in handlungsbefähigendes Wissen umzuwandeln.
Vor dem Hintergrund der aktuellen Zahlen sei der Purpose der Studie eindeutig auch die Demokratiesicherung.
Föderale Digitalstrategie: Viele Leuchttürme, aber kein Kompass?
Den Startschuss für die inhaltlichen Impulse des Tages setzte Ernst Bürger (Staatssekretär des Ministeriums der Justiz und für Digitalisierung des Landes Brandenburg, in einem gemeinsamen Gespräch mit Marc Reinhardt (Präsident der Initiative D21) und Ann Cathrin Riedel. Als brandenburgischer Staatssekretär habe ihm der Kontakt in der Fläche gezeigt, wie groß das Misstrauen gegenüber dem Staat mitunter ausgeprägt ist. Vor diesem Hintergrund müsse sich jede*r fragen: „Welchen Beitrag kann ich leisten, um diesen Trend in eine andere Richtung zu lenken?“ Der eGovernment MONITOR ermögliche mit seinen Erkenntnissen in diesem Zusammenhang evidenzbasierte politische Entscheidungen – und das solle auch genutzt werden.
Auf die Frage von Marc Reinhardt, wie wir in die Umsetzung der föderalen Digitalstrategie kämen, antwortete Ernst Bürger:
Es ist nicht so, dass zu wenig passiert. Überall gibt es viele Projekte, ehrlich gesagt viel zu viele. Dieses Land steht voller Leuchttürme. Dieses Land ertrinkt in zu vielen Pilotprojekten.
Es liege dabei nicht am Personal, das in den Projekten arbeite. Die Mitarbeitenden seien enorm motiviert, aber gefangen in den Strukturen. Deswegen sei eine Fokussierung auf ein gemeinsames Zielbild notwendig, das mit der föderalen Digitalstrategie nun ebenenübergreifend geschaffen worden sei. Dieses gemeinsame Vorgehen zeige auch, dass die Zeiten vorbei seien, in denen die Grundhaltung vorherrschte: Ich schaffe das als Kommune oder Land allein. Dennoch könne die Umsetzung der föderalen Digitalstrategie durch dreierlei Aspekte unterstützt werden:
- Konsultation und Partizipation als beständige Bestandteile der Digitalisierung,
- Kennziffern für die strategische Ausrichtung der Digitalisierung liefern, wie es der eGovernment MONITOR tue; dies ermögliche eine evidenzbasierte Politik,
- Fokussierung – eine Reorganisation von Organisationsstrukturen und -prozessen könne eine neue Ordnung und Konzentration ermöglichen.
Gemeinsam mit Verwaltungsdigitalisierung und Staatsmodernisierung zu mehr Staatsvertrauen
„Wir müssen zur Kenntnis nehmen, dass wir es mit einer Vertrauenskrise und einem schwindenden Vertrauen zu tun haben.“ Das hob auch Philipp Amthor MdB, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesministerium für Digitales und Staatsmodernisierung (BMDS), zu Beginn seiner Eröffnungskeynote hervor. Die Bürger*innen hätten zurecht große Erwartungen auch an die digitalen Dienstleistungen des Staates. Wenn digitale Verwaltungsprozesse dann zu langsam oder nur schleppend funktionierten, sorge dies verständlicherweise für Frust. „Deswegen wollen wir als BMDS die Verwaltungsdigitalisierung fördern, um das Staatsvertrauen zu stärken“, betonte Amthor.
Zugleich müsse man die Verwaltungsdigitalisierung gemeinsam mit der Staatsmodernisierung als zwei Seiten einer Medaille betrachten. Das eine könne ohne das andere nicht funktionieren:
Eine Staatsmodernisierung wird nur dann gelingen, wenn wir die Hebelkräfte der Digitalisierung und mehr Automatisierung nutzen, Künstliche Intelligenz (KI) in die Verwaltung integrieren und Prozesse ohne Medienbrüche schneller Ende-zu-Ende digitalisieren.
Dabei gelte es, mit nachvollziehbaren KPIs den Fortschritt von Maßnahmen wie etwa der Modernisierungsagenda kontinuierlich zu messen. Dazu leiste der eGovernment MONITOR einen wichtigen Beitrag.
Erwartungen und Akzeptanz – die Bedingungen der Bürger*innen für Verwaltungsdigitalisierung
Einen Einblick in die zentralen Ergebnisse des eGovernment MONITORs 2025 zu unter anderem Digital Only gab Prof. Dr. Dr. h.c. Helmut Krcmar (Technische Universität München). Die Bürger*innen würden endlich sichtbare Fortschritte bei der Digitalisierung des Staates erwarten. Zugleich habe sich nur für 10 % das digitale Angebot spürbar verbessert. Es bestehe somit eine große Erwartungslücke zwischen den Ansprüchen und der tatsächlichen Wahrnehmung von digitalen Verwaltungsangeboten.
34 % der Bürger*innen finden trotz alledem eine vollständig digitale Verwaltung selbstverständlich und weitere 34 % könnten sich eine Digital-Only-Verwaltung prinzipiell gut vorstellen. Bedingung für diese Akzeptanz sei allerdings unter anderem, dass Anträge durch Digital Only schneller bearbeitet werden oder es einen telefonischen Kontakt für Rückfragen bei der Antragstellung gebe.
Wir müssen die Erwartungen und Bedingungen der Bürger*innen ernst nehmen, um das Vertrauen zurückzugewinnen und Frustrationen abzubauen.
Dies gelte insbesondere auch für die Cybersicherheit, bei der zwar die Erwartungen an die Abwehrfähigkeit des Staates bei Cyberangriffen hoch seien, aber nur 25 % der Bürger*innen dem Staat zutrauen, sich effektiv gegen Cyberattacken zu schützen.
Interoperable Cybersicherheitsdaten für effektivere Cybersicherheitspolitik
Wie politische Maßnahmen bei der Cybersicherheit durch interdisziplinäre Forschungsprojekte unterstützt werden können, stellte Dr. Annegret Bendiek (Senior Research Associate der Stiftung Wissenschaft und Politik) in ihrem Impuls vor, in dem sie einen Einblick in das Open-Source-Forschungsvorhaben des European Respository of Cyber Incidents (EUREPOC) gab.
Im Kern geht es darum, Vertrauen durch Sicherheit zu stärken. Dafür sind Daten wichtig, die für alle offen verfügbar und transparent sind.
Es habe bislang allerdings weltweit keinen solchen Open-Source-Datensatz über die Kategorisierung Cyberangriffen gegeben. Dem wolle das EUREPOC Abhilfe leisten. Laut den Daten des Forschungskonsortiums werde die EU (auch im Vergleich zu den USA) mehr und mehr zum Angriffsziel. Seit Anfang 2025 seien bereits 444 außen- und sicherheitspolitisch relevante Cybervorfälle in der EU erfasst worden. Dabei stünden nicht nur kritische Infrastrukturen, staatliche Behörden und öffentliche Institutionen, sondern vermehrt auch der Erziehungs- und Bildungsbereich im Fokus, da dieser schlecht geschützt sei. Cyberangriffe würden allgemein zum Großteil von den Angreifenden bekannt gemacht, in Teilen aber auch durch IT-Sicherheitsunternehmen oder den Zielstaat selbst. „Dieser Trend ist besorgniserregend“, ordnete Bendiek ein. Angreifende könnten Cyberangriffe besser zu Propagandazwecken und der strategisch-politischen Kommunikation nutzen, wenn sie sich selbst zu den Attacken bekennen.
Was gilt es, politisch zu tun? „Derzeit kocht jeder sein eigenes Süppchen. Niemand lässt sich in die Karten schauen.“ Dadurch werde jedoch eine Interoperabilität in der Methodik verhindert, wie Cyberangriffe klassifiziert werden. Das führe zu einer mangelnden Integrität und Vertrauen in die Daten sowie die Handlungsfähigkeit von Staaten. „Deswegen haben wir noch eine Menge zu tun. Dazu gehört auch, umfassende Lagebilder zu Cyberangriffen zu erstellen.“
The Agentic State: Den Staat für die Ära agentischer KI neu denken
Eine Vorausschau auf eine mögliche KI-basierte Zukunft des digitalen Staates hatte Luukas Ilves (Berater des stellv. Premierministers der Ukraine und ehemaliger CIO von Estland) den Gästen des #GovTalk mitgebracht. Agentische KI habe das Potenzial, die Arbeitsweise von Regierungen grundlegend zu verändern. Durch die Kombination von KI mit bestehenden digitalen Tools ermögliche Agentische KI, dass Software mit minimalen menschlichem Eingriffen Situationen wahrnimmt, über diese nachdenkt und eigenständig handelt, um ein definiertes Ergebnis zu erzielen.
Der derzeitige digitale Staat fokussiere sich oft noch auf regelbasierte oder intelligente Prozessautomatisierung:
Die Integration von agentischer KI kann diese Automatisierungen noch effizienter machen und darüber hinaus perspektivisch auch für semi-autonom getroffene vorausschauende Entscheidungen genutzt werden. Dafür muss agentische KI allerdings auf die rechtlichen und praktischen Rahmenbedingungen des staatlichen Handelns angepasst werden.
Außerdem habe agentische KI das Potenzial, im öffentlichen Sektor beim Service- und UX-Design eine Hyperpersonalisierung sowie Bedürfnisantizipation durch individualisierte KI-Agenten zu schaffen. So könne sie bei Vergabeprozessen eingesetzt werden, genauso wie bei der Überprüfung, ob Regeln von Unternehmen eingehalten würden. Zudem könne agentische KI die Analyse der vielfältig in der Verwaltung bestehenden Datensätze verbessern und dadurch daten- und evidenzbasiertere Entscheidungen ermöglichen.
Der Einsatz agentischer KI würde allerdings auch einen Kultur- und Führungswandel in der Verwaltung erfordern, die ein Ausprobieren belohnt. Denn der private Sektor werde agentische KI einsetzen, unabhängig davon, ob der öffentliche Sektor nachzieht oder nicht. Dies werde die Erwartungen der Bürger*innen an den Staat weiter vergrößern. Deswegen plädierte Ilves abschließend dafür, dass auch der Staat agentische KI integrieren müsse.
Wirkungsorientierte Steuerung für eine bessere Leistungsfähigkeit und mehr Staatsvertrauen
Nach einer Mittagspause und der Möglichkeit, sich über die Impulse auszutauschen und zu netzwerken, gab Lena-Sophie Müller (CEO der Initiative D21), weitere Einblicke in die zentralen Ergebnisse aus dem eGovernment MONITOR 2025. „Der Staat muss es schaffen, Probleme zu lösen. Wenn er das hinbekommen, kann er auch das Vertrauen der Bürger*innen zurückgewinnen“, so Müller. Die Zahlen zeigen, dass die digitale Verwaltung nur den Ansprüchen von 15 % der Bürger*innen gerecht werde. Die Leistungsfähigkeit des Staates insgesamt werde zudem kritisch beurteilt: 59 % empfinden den Kontakt mit Behörden und Ämtern meistens als (sehr) anstrengend. Nur 12 % sagten, dass der Staat ihr Leben leichter macht, und 55 % seien mit der Offline- und Online-Verwaltung zufrieden.
Es zeige sich: „Die Menschen werden zu Wiederholungstäter*innen, wenn sie die digitalen Angebote einmal genutzt haben und alles geklappt hat.“ Deswegen sei es ein Hebel für eine moderne digitale Verwaltung, dass digitale Verwaltungsleistungen schnell und einfach online gefunden werden und Bürger*innen nicht alle Daten immer neu eingeben müssen:
Wir haben ein absolutes Reformmandat. Jede positive Erfahrung mit Verwaltung, Behörden und Ämtern stärkt das Vertrauen in die Demokratie.
Deshalb plädiere sie für eine wirkungsorientierte Steuerung anhand konkreter Indikatoren, die kontinuierlich überprüft werden müssten.
Mit einer neuen Verwaltungskultur zu einer effektiveren Verwaltungsdigitalisierung
Einblicke darin, wie dieses Reformmandat in Form eines neuen Digitalministeriums und einer neuen Verwaltungskultur umgesetzt werden kann, gab Thürings Digitalminister Steffen Schütz. Thüringen habe die Digitalisierungszuständigkeit in einem Ressort gebündelt, denn „wir können das Bild nur verändern, indem wir richtig dicke Bretter bohren.“ Doch nur weil man Dinge zusammenlege und Kompetenzen bündele, heiße das noch lange nicht, dass etwas zusammenwächst. Der Spruch „Culture eats strategy for breakfast.“ beschreibe die Situation gut, wenn neue Strategien auf alte Verfahren treffen – meist gewinne die alte Kultur. Daher sei es notwendig, eine neue Verwaltungskultur in einem Digitalministerium zu schaffen. Dieser komme allerdings nicht durch Reorganisation, sondern durch eine veränderte Haltung:
Das klingt vielleicht banal – aber wenn wir Digitalisierung als Pflichtaufgabe und nicht als Möglichkeit verstehen, das Leben anderer leichter zu machen, müssen wir uns über ein mangelhaftes Ergebnis nicht wundern.
Verwaltung bedeute für ihn, Verantwortung zu übernehmen – und zwar nicht nur für Verfahren, sondern insbesondere für die Ergebnisse. Auch das müsse sich in der neuen Verwaltungskultur widerspiegeln. Ein Digitalministerium gehöre für ihn also in die erste Liga, wenn es eine Kultur des Lernens und für Fehler zulasse.
Digitalisierung braucht Steuerung – nicht nur Projekte
Das BMDS, das noch neue Digitalministerium auf Bundesebene, gehe solche neuen Wege, so Prof. Dr. Luise Hölscher (Staatssekretärin im BMDS). Der Kontakt zwischen Bürger*innen und Staat beruhe aktuell meist auf Pflichten. Deswegen müsse die Interaktion so einfach und angenehm wie möglich gestaltet sein. Zwar seien mit der BundID, dem Unternehmenskonto MUK oder der eID sowie weiteren Pilotprojekten erste Grundlagen für einen digitalen Kontakt mit der Verwaltung geschaffen worden. Aufgrund fehlender Standards würden die verschiedenen Anwendungen aber nicht miteinander kommunizieren, was dazu führe, dass die Bürger*innen Daten immer wieder neu eingeben müssen.
Zudem hielt sie fest:
Wir haben den Blick auf den aktuell übergeordneten Stand vor lauter Leuchttürmen verloren. Eine ergebnisorientierte Steuerung der Verwaltungsdigitalisierung ist notwendig. Die dafür notwendigen Zahlen liefert uns der eGovernment MONITOR. Jetzt müssen wir noch darüber sprechen und diskutieren.
Gemeinsam statt allein: Verwaltungsdigitalisierung durch Kooperation in die Fläche bringen
Und genau das war das Ziel der anschließenden Podiumsdiskussion mit Daniela Kuzu (1. Beigeordnete der Stadt Neuruppin), Elisabeth Niejahr (Geschäftsführerin der Hertie Stiftung), Steffen Schütz und Prof. Dr. Luise Hölscher. Doch das reiche nicht – auch mit den Mitarbeitenden in den Fachabteilungen der Verwaltungen müsse über die Verwaltungsdigitalisierung als Querschnittsthema diskutiert werden, betonte Kuzu – sonst funktioniere gar nichts. Es brauche den Willen von Menschen: „Wenn man nicht möchte, funktioniert gar nichts.“ Das Personal mitzunehmen, brauche zwar seine Zeit, sei aber unabdingbar. Mit Blick auf die größte kommunale Herausforderung der Digitalisierung stellte sie fest:
Wir wenden sehr viel Zeit auf, um Lösungen zu suchen. Deswegen brauchen wir eine Art Appstore, in der jede Kommune eine zentrale Lösung für digitale Leistungen bekommt, um die Verwaltungsdigitalisierung vor Ort erfolgreich zu gestalten.
Doch das allein reiche nicht, so Schütz: Damit diese Transformation auch einen gesamtgesellschaftlichen Impact entfalten könne, brauche es vor allem mehr digitale Bildung Digitalkompetenzen. „Wir sind zum Erfolg verdammt“, verlieh Steffen Schütz seiner Aussage Dringlichkeit. Im ländlichen Raum etwa seien die antidemokratischen Kräfte bereits stark, weil sich die Personen dort nicht gesehen fühlten. Deswegen müsse die Digitalisierung erst recht im ländlichen Raum anfangen.
Mit Blick auf die Frage nach Gelingensbedingungen für eine erfolgreiche Digitalisierung in der Fläche antwortete Elisabeth Niejahr:
Um eine Welle an Zustimmung für Verwaltungsdigitalisierung und Staatsreform auch im ländlichen Raum zu bekommen, braucht es am Ende Menschen, die es umsetzen. Um diesen Spirit zu erhalten, braucht man Erfolgserlebnisse.
Zudem fordere sie ein konsequentes Denken von den Nutzenden her und Role Models in Kommunen, die die Themen der Verwaltungsdigitalisierung engagiert angingen und diesen Spirit vorlebten. Nicht nur hier gebe es Best-Practice-Ansätze aus dem Ausland. Hölscher ordnete hier ein, dass Länder wie Estland als eines der europäischen Spitzenreiter-Länder in Sachen Verwaltungsdigitalisierung nur partiell als Blaupause dienen könne, da das Land andere Ausgangsbedingungen gehabt habe. Ihre Erfahrung von der G20-Konferenz zur Digitalwirtschaft und KI zeigen, dass etwa Kanada derzeit international nach Partner*innen suche, die die gleichen Werte teilten.
Doch nicht nur international, auch national und regional müsse mehr zusammengearbeitet werden, um die Digitalisierung besser gestalten zu können. Für Schütz sei etwa der Austausch mit Kommunalpolitiker*innen wichtig, um die Digitalisierung in die Fläche zu bringen. Niejahr betonte eine verstärkte Kooperation zwischen der Zivilgesellschaftlich und staatlichen Institutionen für einen Digitalisierung, die gesamtgesellschaftlich wirke. Kuzu hob hervor, dass es dafür auch innerhalb der Verwatlung einer besseren Kommunikation und einer engeren Zusammenarbeit mit allen Ebenen bedürfe. Und da das „Machen“ für sie wichtiger sei als das „Reden“, wolle sie mit jedem zusammenarbeiten, der*die bereit sei, Dinge Wirklichkeit werden zu lassen, so Hölscher.
Was bleibt von einem Tag voller Impulse und neuer Eindrücke?
Zu viel, um es kurz zusammenzufassen, findet Lena-Sophie Müller. Bei ihr bleibe vor allem eine Stimmung hängen: die Bereitschaft, zusammenzuarbeiten und vor allem zu machen. Dazu müssen die Erkenntnisse des heutigen Tages auch in die Fachlichkeit hineingebracht werden, pflichtete Ann Cathrin Riedel ihr bei. So könne eine erfolgreiche Verwaltungsdigitalisierung vorangetrieben und letztlich das Vertrauen der Bürger*innen in den Staat zurückgewonnen werden.