Wenn Ideen Zukunft werden: Das Finale der Digital Future Challenge #6
Mehr als ein Pitch-Event: Das Finale der Digital Future Challenge war ein eindrucksvoller Beweis dafür, wie viel Gestaltungswille, technologische Exzellenz und gesellschaftliche Verantwortung in der jungen Generation stecken. Fünf Studierendenteams präsentierten ihre Lösungen für reale digital-ethische Herausforderungen aus der Unternehmenspraxis zu den Themen KI-Agenten und Robotik. Wer konnte die Jury mit kreativen Ideen überzeugen?
Berlin. 5 von 89 Studierendenteams haben es geschafft: Sie standen am 12. Februar auf der Bühne bei Google in Berlin und somit mitten im großen Finale der sechsten Ausgabe der Digital Future Challenge. Nach intensiven Arbeitsphasen, in denen die Studierenden ihre Konzepte im Ideenwettbewerb rund um Digital Responsibility kontinuierlich geschärft, weiterentwickelt und hinterfragt hatten, trennten sie nur noch ihre finalen Pitches und die Entscheidung der Jury vom Platz auf dem Siegertreppchen.
Die Zeit, sich einzubringen, ist jetzt!
Die Anstrengungen und vor allem die Innovationskraft und Ideenfreude der Studierenden lobte in seiner Begrüßung auch Dr. Karsten Wildberger, Bundesdigitalminister und Schirmherr der diesjährigen DFC. Er selbst schöpfe viel Optimismus aus den Lösungsansätzen der Studierenden:
Mithilfe von Technologien kann heutzutage ein einzelner oder eine kleine Gruppe von Menschen einen unglaublichen Impact haben. Die Zeit, sich einzubringen, zu gestalten und die Digitalisierung in Europa mit unseren Werten voranzubringen, ist jetzt! Und dafür braucht unser Land dringend solche innovativen jungen Menschen wie euch.
Die aktuellen technologischen Entwicklungen, zum Beispiel rund um KI, würden Chancen, aber auch Risiken bergen. Umso wichtiger sei es, dass diese Entwicklungen von den richtigen Menschen getrieben werden – auf Basis von gemeinsamen Werten. Sein Ministerium beschäftige sich zum Beispiel aktuell viel mit Fragen rund um KI-Agenten in der Verwaltung, und auch Robotik sei ein wichtiges Zukunftsfeld auf der Agenda.
Auch in den Begrüßungsworten mit Lena-Sophie Müller, CEO der Initiative D21, und Thomas Northoff, Vorsitzender der Deloitte-Stiftung, wurde klar: Hier geht es nicht nur um Technologie – sondern um Verantwortung. „Ihr seid die High Potentials von morgen!“, so Müller in Richtung der Finalteams. Die Digital Future Challenge verbinde Innovation mit starken Partnern aus Wirtschaft, Politik, Wissenschaft und Zivilgesellschaft. Und im mittlerweile sechsten Jahr des Wettbewerbs zeige sich immer wieder: Gute Ideen seien dann am besten, wenn sie verantwortungsvoll gestaltet werden.
Politik trifft Praxis: Studierende im Austausch mit dem Digitalminister
Doch bevor die Teams ihre Zukunftsideen auf die Bühne bringen konnten, stand der Dialog im Mittelpunkt: Die Studierenden nutzten die Gelegenheit, Minister Wildberger direkt zu befragen – kritisch, neugierig und lösungsorientiert.
Eines der diskutierten Themen: Wie können Innovation und Landwirtschaft stärker zusammengedacht werden? Wildberger betonte, dass nachhaltige Landwirtschaft ohne leistungsfähige Konnektivität nicht denkbar sei. Digitale Technologien – von Sensorik bis KI – benötigten stabile Infrastruktur. Genau hier setze die Politik an: mit besseren Rahmenbedingungen für Mobilfunkfrequenzen und enger Abstimmung zwischen Ministerien, etwa durch Stabsstellen für Staatsmodernisierung in den Fachministerien.
Auch die Frage nach Deutschlands Rolle bei Zukunftstechnologien wurde diskutiert. Besonders bei KI sieht Wildberger große Chancen: exzellente universitäre Forschung, starke Unternehmen – und eine enorme Möglichkeit, KI „mit europäischen Werten“ sicher und vertrauenswürdig zu gestalten. Gerade darin liege ein Wettbewerbsvorteil.
Wildbergers Fazit nach dem Austausch mit den Studierenden: Die junge Generation habe „richtig Bock“ und wolle gestalten – die Politik müsse dafür die passenden Rahmenbedingungen schaffen und langfristig denken.
Fünf Zukunftsvisionen auf der Bühne: Die Pitches der Studierenden im Überblick
Im Anschluss stieg die Spannung im Raum, denn nun lag es an den Studierenden, ihre positiven Visionen für wünschenswerte digitale Zukünfte zu präsentieren. Und auch Minister Wildberger ließ sich die Pitches nicht entgehen und lauschte bis zum Schluss den zukunftsweisenden Ideen:
Den Start machte das Team Sprout (Karlsruher Institut für Technologie). Sprout ist ein automatisierter Roboterhund, der Landwirt*innen bei der nachhaltigen Bewirtschaftung ihrer Flächen unterstützt, indem er (unwegsames) Gelände befährt sowie Daten und Bodenproben sammelt. Auf Basis der Analysen liefert Sprout präzise Entscheidungsgrundlagen für Dünge- und Pestizideinsatz, reduziert den Bedarf an Chemikalien und schweren Maschinen und liegt bereits als funktionsfähiger Prototyp vor. (Use Case: Pfeifer & Langen)
Ein Mini-Roboter für einen automatisierten ICE-Boxenstopp, der Wasser- und Abwassersysteme selbstständig entlang des Zuges anschließt und so gefährliche, zeitintensive Handarbeit im Werk reduziert– das ist die Idee vom Team Rolls RoICE (Technische Universität München). Ihr Roboter unterstützt Ingenieur*innen gezielt, schafft Raum für sicherheitsrelevante Prüfungen und wird durch begleitende Qualifizierungsangebote in den Arbeitsalltag integriert – mit dem Ziel, perspektivisch jeden ICE auszustatten. (Use Case: Deutsche Bahn)
Muss man als Bürger*in wirklich Verwaltungsexpert*in sein, um Leistungen der Verwaltung in Anspruch nehmen zu können? Das Team Old but Gold (Hochschule für Polizei und Verwaltung Münster) findet nein und setzt hierfür auf den Lebenslagenassistent LeLa, der Verwaltungsleistungen proaktiv bündelt und Bürger*innen über ein zentrales Dashboard passgenau durch Ereignisse wie Geburt, Umzug oder Pflege begleitet. Nach einmaliger Anmeldung mit der BundID schlägt LeLa relevante Leistungen vor, greift nur auf freigegebene Registerdaten zu und ermöglicht sichere, vorausgefüllte Anträge – unterstützt durch mehrsprachige, barrierefreie KI-Agenten. (Use Case: Fsas Technologies)
Jugendliche an wichtige Finanzbildung heranführen: Das Team Lioness & the three Lions (Technische Universität München) präsentierte LEO, einen in die Banking-App integrierten Finanzbildungs-Agenten, der junge Menschen etwa mithilfe eines gamifizierten Börsensimulators, personalisierter Lerninhalte und eines Chatbots spielerisch an nachhaltiges Investieren heranführt. Ab 18 unterstützt LEO zusätzlich mit individuellen Budget- und Investmentempfehlungen auf Basis des eigenen Risikoprofils. (Use Case: ING Deutschland)
Niemand sollte allein durch den Prozess der Beantragung eines Aufenthaltstitels müssen, findet das Team Ankommen (Karlsruher Institut für Technologie/Universität Regensburg). Ihre Lösung: ein KI-Agenten-System, das Antragsteller*innen bei der Beantragung von Aufenthaltserlaubnissen digital, mehrsprachig und interaktiv unterstützt. Als intelligente Alternative zur Behördennummer 115 vereinfacht der KI-Assistent Anträge, Terminvereinbarungen, Datennachreichungen und Kommunikation mit Behörden per Chat sowie Sprach-Ein- und -Ausgabe. (Use Case: Fsas Technologies)
Magie trifft Maschine
Während sich die Jury zur Beratung zurückzog, gab es noch einen inspirierenden Impuls der besonderen Art für die Studierenden: KI-Magier Andreas Axmann sorgte für Staunen. In einem unterhaltsamen Show-Vortrag ordnete er technologische Entwicklungen wie das Metaversum magisch ein – eine gelungene Erinnerung daran, dass Innovation auch Begeisterung braucht.
Bei so vielen spannenden Inputs konnte einem glatt die Zeit aus den Augen verloren gehen. Doch nach einer halben Stunde stieg die Spannung: die Jury hatte ihre Entscheidung getroffen.
And the winner is …
Moderator Johannes Büchs durfte zusammen mit der Jury die drei Gewinner ausloben. Die Jury hob hervor, dass alle Teams seit dem Halbfinale ihre Ideen sehr stark weiterentwickelt hätten, was ihre Entscheidungsfindung sehr erschwert habe. Und das hier sind die Gewinner*innen der Digital Future Challenge #6:
- Platz 1 belegte das Team Ankommen (Calvin Friedrich, Samantha Geller, Duc Kieu und Tim Sellemann (Preisgeld: 7.500€)
- Platz 2 ging an das Team Sprout (Silas Gramlich, Lisa Hessenthaler und David Schnetzer) (Preisgeld: 5.000€)
- Auf Platz 3 landete das Team Rolls RoICE (Rufus Funkert, Pasha Rizali und Carol Stefan) (Preisgeld: 2.500€)
Unsere Idee unterstützt Menschen bei der Beantragung eines Aufenthaltstitels – also genau diejenigen, die in unsere Gesellschaft oft nicht ausreichend begleitet werden. Wir sind überglücklich, dass sich gerade in diesem engen und hochkarätigen Finale unser Team mit dem Fokus auf Integration und Diversität durchgesetzt hat. Das zeigt sehr deutlich, wofür die Digital Future Challenge steht: für Zusammenhalt und gemeinsames Gestalten der Zukunft.
So kommentierte Samantha Geller vom Team Ankommen den Sieg. Für alle Teams und Ideen ist es mit dem Finale natürlich noch nicht vorbei: Jetzt geht es in die weitere Umsetzung!
Das Finale der Digital Future Challenge 2026 hat einmal mehr gezeigt: Junge Menschen gestalten ihre wünschenswerten Versionen einer digitalen Zukunft nicht nur technisch versiert, sondern mit gesellschaftlichem Anspruch. Die Brücke, die die DFC zwischen jungen Innovator*innen und Entscheidungsträger*innen aus Politik und Wirtschaft schlägt, ist nicht nur symbolisch, sondern gelebte Praxis – mitten in Berlin und mitten in der digitalen Gesellschaft von morgen.
Wir gratulieren den Gewinner*innenteams und bedanken uns bei allen Studierenden, den Jurymitgliedern, Dozent*innen, Mentor*innen, Use-Case-Gebenden, Johannes Büchs für die grandiose Moderation, der Giesecke + Devrient Stiftung und der Bertelsmann Stiftung für die Unterstützung sowie dem Bundesministerium für Digitales und Staatsmodernisierung für die Übernahme der Schirmherrschaft durch den Minister. Und natürlich: bei unserem Projektpartner, der Deloitte-Stiftung, für 6 gemeinsame Jahre Digital Future Challnge!