„Wir können auf euch in den MINT-Berufen nicht verzichten“: Girls’Day-Auftakt 2026 mit Bundeskanzler Friedrich Merz
Fragen an den Kanzler, Roboter ausprobieren, Berufswelten entdecken – 20 Berliner Schülerinnen haben den diesjährigen Girls'Day direkt im Bundeskanzleramt erlebt. Fünf Mitgliedsorganisationen der Initiative D21 hatten dafür einen MINT-Erlebnis-Parcours gestaltet, den die Schülerinnen gemeinsam mit Bundeskanzler Friedrich Merz durchliefen. Am Ende konnten die Schülerinnen ihm ihre Fragen zu seinem politischen Alltag und MINT-Berufen stellen.
Berlin. Blitzlichter, Kamerastative, das Summen von Mikrofonen – die Kanzlergalerie im Bundeskanzleramt ist an diesem Mittag gut gefüllt. Vor den Porträts der ehemaligen Bundeskanzler*innen haben sich 20 Berliner Schülerinnen aufgestellt und warten auf Bundeskanzler Friedrich Merz. Als er eintrifft und das offizielle Gruppenfoto gemacht ist, ergreift eine von ihnen kurzerhand die Initiative: ob der Kanzler auch für ein Selfie bereitstehe? Er steht. Der Moment gibt den Ton vor für einen Tag, an dem die Schülerinnen nicht nur zuschauen, sondern selbst das Heft in die Hand nehmen.
MINT zum Mitmachen
Die Schülerinnen vom Käthe-Kollwitz-Gymnasium, der Paula-Fürst-Schule und der Willy-Brandt-Schule haben heute schon viel erlebt. Um 9 Uhr startete im Kanzleramt der besondere MINT-Erlebnis-Parcours, in dem es auch in diesem Jahr wieder viel zu entdecken und auszuprobieren gibt: Von KI-Bias aufspüren und verstehen (Fsas Technologies) bis hin zu Robotik in der Landwirtschaft erleben (Pfeifer & Langen) – die fünf D21-Mitgliedsorganisationen haben ein abwechslungsreiches Programm mitgebracht. In 20-minütigen Workshops lernen die Schülerinnen in Vierergruppen MINT-Berufe kennen und kommen mit Expert*innen aus den jeweiligen Bereichen ins Gespräch. Bei den Schülerinnen kommt das sehr gut an:
Ich lerne hier viele neue Sachen, besonders über KI, und das ist ziemlich cool.
Ich fand toll, dass wir viele Berufsfelder ausprobieren und nach unseren Stärken gucken konnten, um zu sehen, was wir vielleicht selbst später mal im MINT-Bereich machen können.
MINT erleben – auch für den Bundeskanzler
Aber zurück zum Kanzlerbesuch: Gemeinsam mit D21-Vizepräsidentin Christiane Fritsch besucht Bundeskanzler Friedrich Merz die verschiedenen Stationen des Parcours. Souverän und selbstbewusst erklären ihm die Schülerinnen, was sie an den einzelnen Stationen gelernt und ausprobiert haben. Kameras, Mikrofone, Fragen von Journalist*innen – die Schülerinnen lassen sich davon nicht aus dem Konzept bringen. So druckt der Kanzler mit einer Siebdruckschablone seinen eigenen Beutel (Bundesdruckerei), schlüpft in die Rolle eines Red Teams auf der Jagd nach Sicherheitslücken (HiSolutions) und misst seine Rundenzeiten gegen ein KI-gesteuertes Fahrzeug (IBM). Ob sie sich nach diesem Tag einen MINT-Beruf für die Zukunft vorstellen kann, möchte er von einer Schülerin wissen: „Es ist auf jeden Fall spannend, sehr spannend!“, antwortet Emilia vom Käthe-Kollwitz-Gymnasium.
Berufswahl ohne Klischees
Seit fast 25 Jahren organisiert die Initiative D21 den Girls'Day-Auftakt im Bundeskanzleramt. Ziel des Events ist es, Schülerinnen spannende und praxisnahe Einblicke in die vielfältigen Berufsmöglichkeiten im MINT-Bereich zu geben und sie darin zu bestärken, ihre eigenen Interessen jenseits traditioneller Rollenbilder zu verfolgen.
Wir sehen, was da für ein großes Gestaltungspotenzial für die Zukunft liegt. Darum wollen wir, dass junge Frauen genau diese Zukunft mitgestalten. Und wir müssen sie dafür begeistern, in die MINT-Berufe hineinzugehen.
Statt grauer Theorie steht im MINT-Erlebnis-Parcours das aktive Ausprobieren und Selbermachen im Mittelpunkt. Expert*innen aus den fünf Mitgliedsorganisationen der Initiative D21 teilen dabei nicht nur ihr Wissen, sondern wirken auch als direkte Rollenvorbilder, da sie selbst in den jeweiligen Fachgebieten arbeiten.
Es ist etwas, das man nicht jeden Tag macht, mal was anderes, als in der Schule. Toll dass wir hier mitmachen können!
Im Gespräch mit dem Bundeskanzler
Auf die Schülerinnen wartet ein weiteres Highlight: eine Gesprächsrunde, moderiert von D21-Präsident Marc Reinhardt, in der die Schülerinnen Friedrich Merz alles fragen dürfen, was sie schon immer mal wissen wollten. Die Stimmung ist offen und der Kanzler nimmt sich Zeit, auf die Fragen einzugehen. Dabei betont er auch die Wichtigkeit des Girls'Day für die Berufsorientierung junger Frauen:
Es gibt im 21. Jahrhundert für junge Frauen so viele Möglichkeiten wie nie zuvor. Wir können auf euch nicht verzichten, gerade in den technischen Berufen. Ich werbe sehr dafür, dass wir das gemeinsam besser machen in Deutschland!
Bei den Schülerinnen kommt es gut an, dass der Bundeskanzler so offen auf ihre Fragen eingeht:
Ich habe mich sehr gehört gefühlt, denn Zeit vom Bundeskanzler ist ja nicht jeden Tag.
Zum Abschluss gibt es noch einen Höhepunkt für die Teilnehmerinnen: die Übergabe des Girls'Day-Preises. Jedes Jahr gibt es eine Schätzfrage zum Thema MINT für die Schülerinnen zu beantworten. In diesem Jahr lautete sie: „Wie viel Prozent aller Auszubildenden in MINT-Berufen in Deutschland waren im Schuljahr 2024/25 weiblich?" Rama von der Willy-Brandt-Schule liegt mit ihrer Schätzung von 13,5 % am nächsten an der tatsächlichen Zahl von 14,1 %. Der Bundeskanzler überreicht ihr den Preis – einen Gutschein für einen Tag im Maker Space Verstehbahnhof in Fürstenberg – und zeigt sich nachdenklich angesichts der Zahl: Noch immer ist nur gut jede siebte Auszubildende in einem MINT-Beruf weiblich – genau das, wofür der Girls'Day Bewusstsein schaffen will.
Gute Beispiele sind immer das Wichtigste. Und damit voranzugehen und anderen zu zeigen: Ich kann es und es geht. Das könnt in Zukunft ihr sein.
Als der Kanzler sich verabschiedet, heißt es für die Schülerinnen: zurück in den Parcours. Denn einige spannende Stationen warten noch darauf, entdeckt zu werden. Und dann lassen die Schülerinnen den Tag noch einmal Revue passieren:
Ich habe auf jeden Fall viel neues gelernt. Ich finde es richtig cool, dass man das alles als Beruf machen kann und zu sehen, wie die Technik funktioniert.
Aber nicht nur sie haben aus dem heutigen Tag etwas mitgenommen:
Vielleicht konnte Herr Merz ja auch etwas lernen. Denn wir haben viel zu sagen. Bitte hören Sie uns zu!