AG Digitale Ethik
Die Digitalisierung hat eine Dimension erreicht, die neue Formen der Datafizierung (Datenerhebung, -auswertung, -interpretation), der Automatisierung (z. B. über Algorithmen), der Virtualisierung und Vernetzung sowie der Mensch-Maschine-Interaktion zulassen. Technisch betrachtet bietet die Digitalisierung nie dagewesene Handlungsoptionen, z. B. in Form von Emerging Technologies, und findet parallel immer mehr Einzug in breite Teile der Gesellschaft. Ihr Einsatz findet bereits statt; hinsichtlich ihrer ethischen Einordnung ist somit Dringlichkeit geboten.
Diskutiert wurde und wird dies zum Beispiel im Bereich der KI-Entwicklung, wie etwa generativer KI-Modelle. Doch sollte der Diskurs sich nicht auf einzelne Technologien beschränken, auch eine branchenübergreifende Betrachtung, z. B. über den Gesundheits- und Pflegesektor, den Finanzmarkt, die Landwirtschaft aber auch den gesamte Alltag der Digitalen Gesellschaft, ist geboten. Ein breiter gesellschaftlicher Diskussions- und Meinungsbildungsprozess ist unseres Erachtens essenziell, um den Menschen und Entscheidungsträger*innen in unserem Land (Wirtschaft und Politik) eine differenzierte Bewertung der Perspektiven, Chancen und Risiken solch fundamentaler Veränderungen der Digitalisierung zu ermöglichen.
Diesen Prozess hat die Arbeitsgruppe Digitale Ethik über fast ein Jahrzehnt begleitet – als Netzwerkknoten, Raum für Denkimpulse und gemeinsame Aktivitäten. Ziel war es, ethische Grundvorstellungen in die digitalisierte Welt zu übersetzen und somit durch sachliche und konstruktive Bewertung zur Orientierung beizutragen und Debatten anzustoßen. Was als technologiegetriebene Fragestellung begann („Was kommt da alles auf uns zu?“), wurde durch spannende Impulse, engagierte Diskussionen und viel Experimentierfreude zu einem echten Bewegungsthema. Wir haben Neugier geweckt, Denkgrenzen ausgelotet und neue Perspektiven eröffnet – und damit viel erreicht. Ob mit unseren Denkmustern zur digitalen Ethik und Corporate Digital Responsibility, mit unseren DeepDives ins Algorithmen-Monitoring, mit Zielkonfliktermittlung oder mit Reflexionsprozessen: Gemeinsam haben wir Werkzeuge geschaffen, die Menschen handlungs- und sprechfähig machen.
Heute können wir sagen: Unser Auftrag war es, Menschen und Entscheidungsträger*innen für digital-ethische Reflexion zu befähigen – und das ist gelungen: Digitale Ethik ist vom Orchideenthema zum ernstzunehmenden Themenfeld bei Mitgliedsunternehmen und öffentlichen Einrichtungen geworden. Das Thema ist nicht mehr nur ein Impuls von außen, sondern längst in unseren D21-Projekten verankert – in Bildung, Verwaltung, Wirtschaft. Digitale Ethik ist bei der Initiative D21 zu einem echten Querschnittsthema geworden.