Veranstaltungsreihe „Digitale Ethik – Wie würden Sie entscheiden?“

Künstliche Intelligenz in allen Lebensbereichen – Wie würden Sie entscheiden?

Berlin, 15.02.2018. Die AG Ethik der Initiative D21 startete im Februar ihre neue Event-Reihe „Digitale Ethik – wie würden Sie entscheiden?“ in der Microsoft Digital Eatery in Berlin. Rund 80 Gäste folgten den Denkimpulsen zum Einsatz Künstlicher Intelligenz (KI) in Medizin, Verwaltung und Wirtschaft und stimmten interaktiv ab, wie sie bei unterschiedlichen ethischen Fragen entscheiden würden.

Lena-Sophie Müller (Initiative D21) und Thomas Langkabel (Microsoft Deutschland)

Mit dem Impulsvortrag „Was kann Künstliche Intelligenz – und was nicht?“ stimmte Dr. Aljoscha Burchardt vom Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) auf die folgenden Diskussionen und Leitfragen ein. Er zeigte in seinem Vortrag (Download Präsentation) auf, wo Automatisierung aufhört und KI beginnt sowie welche Entwicklung für die Zukunft nach heutigem Stand realistisch sind.

Dr. Aljoscha Burchardt (DFKI)

Ethische Zielkonflikte durch KI in Gesundheitswesen, Verwaltung und Wirtschaft

Wo setzt man Künstliche Intelligenz im Gesundheitsbereich bereits heute ein und wo sind potenzielle Handlungsfelder? Bart de Witte (Director Digital Health DACH, IBM Watson) zählte verschiedene Beispiele auf. In manchen Bereichen könnten Algorithmen schon heute bessere und auf jeden Fall deutlich schnellere Diagnosen erstellen. Diese hätten auch aus Kostengründen ein enormes Potenzial, vor allem in den Bereichen, in denen die medizinische Versorgung weniger gut ausgeprägt seien.

Bart de Witte, Dr. Matthias Flügge, Anna Geyer, Lena-Sophie Müller

Auch in der Öffentlichen Verwaltung bieten Digitalisierung und Künstliche Intelligenz verschiedenste Möglichkeiten, so Dr. Matthias Flügge (Leiter Digital Public Services, Fraunhofer FOKUS). Schon jetzt sei etwa bei der Städteplanung oder der Simulation von Verkehrsentwicklungen KI im Einsatz. Betrachte man klassische Verwaltungsaufgaben, so sei zu differenzieren. Standardisierte Prozesse, wie bspw. die Beantragung eines Anwohnerparkausweises, könnten relativ einfach automatisiert werden. Schwieriger würde es bei Einzel- und Härtefall-Entscheidungen sein, bei denen es einen Ermessensspielraum gäbe. Hier könnten aber KI und Systeme, die die Entscheidung unterstützen, gut helfen. Sie können den Mitarbeitenden der Verwaltung Entscheidungsvorschläge samt möglicher Pro- und Contra-Argumente vorlegen.

In der Wirtschaft böte der Einsatz Künstlicher Intelligenz ganz neue Möglichkeiten etwa für Händler – von smarter Personalisierung bis hin zur Vorhersage von Kaufentscheidungen, so Anna Geyer (Referentin Netzpolitik und Digitalisierung, HDE). Außerdem könnten etwa Bestellungen bei Herstellern unter Berücksichtigung einer Verkaufshistorie, Saison, Wetter und anderer Parameter durch smarte Prognosen optimiert und automatisiert werden.

Natürlich gab es zahlreiche weitere interessante Denkimpulse rund um den Einsatz Künstlicher Intelligenz, diese sind in der Aufzeichnung des Periscope-Streams nachzusehen, die Oberthemen lauteten:

  • Wie ist die gesellschaftliche Akzeptanz von Künstlicher Intelligenz? Wodurch wird diese beeinflusst?
  • Schieben wir mit der Digitalisierung immer mehr Entscheidungen und Verantwortungen an Algorithmen ab? Wer ist letztlich verantwortlich und wer haftet?

Das Publikum entscheidet mit

Dass es auf viele ethische Fragestellungen keine leichten Antworten gibt, zeigte sich bei der Einbeziehung des Publikums. Per Live-Voting bewertete es verschiedene Szenarien zum Einsatz Künstlicher Intelligenz und gab an, wie es in bestimmte Situationen entscheiden würde.

Ein Auszug der Fragen:

  • Patientendaten als öffentliches Gut vs. Schutz von Patientendaten
    KI benötigt große Datenmengen, um Entscheidungen zu treffen. Sollen Patientendaten als öffentliches Gut zur Verfügung gestellt werden, damit KI diese auswerten kann, oder ist Datenschutz wichtiger?
  • Abweichende Meinungen zwischen Arzt und KI
    Ein Arzt und eine KI werten Untersuchungsergebnisse auf. Der Arzt schlägt Behandlung A vor, die KI schlägt Behandlung B vor. Für welche Behandlung entscheiden Sie sich?
  • Einzelfallentscheidung vs. Standardentscheidung
    VerwaltungsmitarbeiterInnen beurteilen jeden Fall einzeln und treffen dann ihre Entscheidung. KI trifft Entscheidungen auf Basis von Statistiken. Welche Art der Entscheidungsfindung bevorzugen Sie?
  • Bürgerbefragung vs. KI
    Mit einer KI wurde der Bau einer Energietrasse geplant, mit welcher die Umweltverträglichkeit maximiert wird. Ein Bürgerentscheid spricht sich dagegen aus, da die Energietrasse nahe an Städten verläuft. Wie soll sich die Politik entscheiden?
  • Datenspende vs. Datenschutz
    Wären Sie bereit, nach Ihrem Tod alle Ihre gesundheitsrelevanten Daten anonymisiert zu spenden?