Ein gesundes System?

Wie verändern digitale Gesundheitsanwendungen unser Gesundheitssystem und warum ist dieser Wandel nur mit einer leistungsstarken digitalen Infrastruktur möglich? Das war Thema des Netzwerktreffens der Deutschen Breitbandinitiative mit dem Bundesverkehrs- (BMVI) und dem Bundesgesundheitsministerium (BMG).

Berlin, 21. Februar 2020. Welche neuen Möglichkeiten ergeben sich für die Gesundheitsbranche durch den digitalen Wandel? Ob zunehmende Datenerfassung und damit einhergehende Auswertungsmöglichkeiten, schnellere und zielgerichtetere Diagnosen und Behandlungen oder auch neue digitale Gesundheitsanwendungen – die Gesundheitsbranche steht vor einem Umbruch. Welche Möglichkeiten aber auch Herausforderungen dadurch entstehen, war Inhalt des Netzwerkstreffens der Deutschen Breitbandinitiative Anfang 2020 im Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur. Hier tauschten sich AkteurInnen der Gesundheitsbranche, Politik und Wissenschaft miteinander aus.

Foto: v.l.n.r.: Nick Kriegeskotte (bitkom), Olaf Reus (Koordinator Deutsche Breitbandinitiative), Lena-Sophie Müller (Initiative D21), Dr. Tobias Miethaner (BMVI), Dr. Gottfried Ludewig (BMG), Dr. Henrik Matthies (health innovation hub)

Eröffnet wurde das Treffen von Dr. Tobias Miethaner, der als Ministerialdirektor der Organisationseinheit Digitale Gesellschaft im BMVI tätig ist und von Dr. Gottfried Ludewig, Leiter der Abteilung „Digitalisierung und Innovation“ im BMG. Ludewig klärte darüber auf, wann, wie und wo medizinische Behandlungen heute bereits digital stattfinden. Digitalisierung ist für ihn eine zwingende und dringende Aufgabe auch im Bereich der Medizin, wobei der Breitbandausbau diese neue, digitale Form der Medizin erst ermöglicht.

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Prof. Dr. Stefan Heinemann, Professor für Wirtschaftsethik an der FOM Hochschule, gab in seinem Impuls einen breiten Überblick zu momentanen Entwicklungen des Gesundheitswesens. Er erklärte, warum internationale Tech-Konzerne als neue Player das Potenzial hätten, das bestehende System radikal zu verändern und dass sich die Wertschöpfung von reguliert hin zu marktorientiert wandeln würde. Der zweite Input von Dr. Matthies bezog sich auf den Einfluss von Start-ups auf das gesamte Gesundheitswesen und die sich ergebenden Chancen für ein modernes, digitales Gesundheitswesen. Seine Kernaussage war: Wer hohe Türme bauen will, muss lange beim Fundament verweilen. Als Managing Director des health innovation hubs sieht er somit die digitalen Infrastruktur als große Herausforderung.

Im interaktiven Part der Veranstaltung stellten Start-ups und Organisationen einige digitale Innovationen aus dem Gesundheitsbereich vor:

  • Die TeilnehmerInnen konnten in einen DB Medibus steigen, eine mobile Arztpraxis, die in einen Linienbus integriert wurde. Der Bus bietet Potenzial, den Ärztemangel im ländlichen Raum zu schließen.
  • ApoQlar präsentierte, wie per HoloLens über eine Mixed-Reality-Anwendung die Zukunft von Operationen aussehen kann.
  • Das StartUp Lindera zeigte eine App, die durch Bewegungsanalysen das Sturzrisiko bei SeniorInnen reduzieren kann.
  • Preventicus stellte eine App vor, die per Smartphone-Kamera den Puls misst und so frühzeitig Vorhofflimmern erkennen kann, um Schlaganfälle zu vermeiden.
  • SiemensHealth demonstrierte „AI-Rad Companion“, einen intelligente Softwareassistenten, der beispielsweise Radiologen bei der Analyse von CT-Scans helfen kann.

Fazit

Die auf dem Netzwerktreffen der BBI vorgestellten Produkte erlaubten einen kleinen Einblick in die vielen digitalen Anwendungen, die gerade entstehen. Sie zeigen das Potenzial für tiefgreifende Veränderungen des modernen Gesundheitssystems. Es braucht ein fortschrittliches Breitbandnetz zur flächendeckenden Nutzung dieser neuen Anwendungen – die dann ihren Anteil zur Würde und Heilung der Patienten beitragen können.

Ansprechpartner

Koordinator der Deutschen Breitbandinitiative

Olaf Reus
Mitglied des D21-Präsidiums
Ericsson GmbH