Vielleicht haben Sie es schon bemerkt: Seit letztem Monat verwenden wir auf unserer Website, unseren Social-Media-Kanälen und überall, wo Sie von uns lesen, den Gender*Stern (z. B. Mitarbeiter*innen), auch Asterisk genannt. Wir setzen auf eine organische Kombination dieser Variante gendersensibler Sprache mit neutralen Schreibweisen (z. B. Mitarbeitende). In diesem Blogbeitrag wollen wir erklären, warum wir uns dafür entschieden haben.

Warum gendersensible Sprache?

Als Deutschlands größtes Netzwerk für die Digitalisierung setzen wir uns dafür ein, dass der Nutzen des digitalen Wandels allen Gesellschaftsgruppen gleichermaßen zur Verfügung steht und niemand zum Beispiel aufgrund von Geschlecht Benachteiligung erfahren muss. Mit der Verabschiedung unseres Diversity-Kodex sind wir 2019 wichtige Schritte in Bezug auf eine ausgewogene Geschlechterverteilung bei Panels etc. gegangen; außerdem untersuchen wir fortlaufend in unseren Studien verschiedene Digital Gender Gaps oder Rollenbilder im Digitalen Leben.

Es ist uns wichtig, diese Gleichberechtigung der Geschlechter auch mit unserer Sprache zum Ausdruck zu bringen. Denn Menschen denken in Sprache, und so schafft Sprache Realität. Die deutsche Sprache verallgemeinerte Gruppen in der Vergangenheit meist mit dem vermeintlich generischen Maskulinum: Das maskuline Wort „Politiker“ wurde verwendet, obwohl Politikerinnen ebenfalls gemeint waren. „Mitgemeint“, wie es oft heißt. In der Praxis schließt das nicht nur Frauen, sondern auch alle nicht-binären Menschen, die keinem dieser binären Geschlechter angehören, aus.

Die Sprache, die wir wählen, macht einen Unterschied. Das zeigen verschiedene psychologische und sozialogische Studien: Fragt man nach berühmten Musikern, dann nennen die meisten viel mehr Männer, als wenn nach „Musikerinnen und Musikern” gefragt wird. Der gleiche Effekt tritt ein, wenn politische Kandidat*innen für das Amt des Bundeskanzlers genannt werden sollen. Oder ein Beispiel aus unserer praktischen Arbeit dafür, mehr Mädchen für MINT-Berufe zu begeistern, zum Beispiel beim jährlich stattfindenden Girls’Day-Auftakt: Mehr Mädchen können sich vorstellen, männlich konnotierte Berufe zu ergreifen, wenn zu deren Bezeichnung eine geschlechtersensible Sprache verwendet wird, also zum Beispiel Chemikerin oder Game-Designerin.

Daher halten wir das generische Maskulinum für nicht zeitgemäß. Es stammt aus einer Zeit, in der es eine weitgehend männlich geprägte Welt beschrieb, und war schon damals nicht immer passend. Daran festzuhalten, ist nicht nur veraltet, es zementiert auch veraltete Geschlechterstereotype weiter in unseren Köpfen.

Inklusive Sprache als Prozess

Mittlerweile benutzen viele Institutionen in ihren Texten eine oder mehrere Formen der gendersensiblen Sprache. Das ZDF lässt seinen Moderator*innen zum Beispiel die freie Wahl, welche Ansprache sie in ihrem jeweiligen Format wählen; auf Social Media wird der Gender*Stern eingesetzt, um diskriminierungsärmer zu kommunizieren. Viele Universitäten wie zum Beispiel die Humboldt-Universität Berlin empfehlen ihren Studierenden und ihrer Verwaltung gendersensible Formulierungen wie den Gender*Stern. Der Bundestag erlaubt seit März 2021 den Gender*Stern, den Doppelpunkt und weitere gendersensible Formen in Anträgen, Entschließungsanträgen und Begründungen von Gesetzesentwürfen. Beim Streaming-Dienstleister Spotify kann man seit Anfang 2020 nur noch Musik von „Künstler*innen“ hören. Und in der Mitgliedschaft der Initiative D21 gehen einige Unternehmen voran, nutzen in der internen und der Unternehmenskommunikation Gender*Stern oder Doppelpunkt (z. B. Cornelsen) oder setzen sich in interne AGs und Weiterbildungen für eine Sensibilisierung ihrer Mitarbeitenden für die Wichtigkeit einer gendersensiblen Sprache ein (z. B. Microsoft).

Einen einheitlichen Standard gibt es bisher nicht. Denn: Inklusive gendersensible Sprache ist ein Prozess; Sprache verändert sich, und wir verändern uns mit ihr und ändern unsere Denkmuster. Wir wollen jetzt voran gehen und so viele Menschen wie möglich mit unserer Sprache inkludieren. Natürlich ist eine solche Entscheidung immer nur ein Schritt auf einem solchen Weg. Wir freuen uns darauf, uns in Bezug auf inklusive Sprache stetig weiterzuentwickeln und weiter dazuzulernen.

Warum keine Doppelformen oder Binnen-I?

In der Vergangenheit haben wir in unseren Texten mit dem Binnen-I (z. B. LehrerInnen) gearbeitet und es durch den Einsatz von Doppelformen (z. B. Lehrerinnen und Lehrer) oder neutralen Bezeichnungen (z. B. Lehrkräfte) ergänzt. Dies war eine Verbesserung im Vergleich zum generischen Maskulinum, da damit weibliche und männliche Formen sichtbar gemacht werden. Dagegen spricht aber zunächst der reine Nutzungsaspekt, dass das Binnen-I bei der Verwendung von Großschrift (LEHRERINNEN) nicht funktioniert und auch sonst einige grammatische Stolperfallen mit sich bringt. Das größte Problem im Sinne einer inklusiven gendersensiblen Sprache besteht darin, dass nicht-binäre Menschen hier ebenfalls nicht inkludiert werden und sich wieder „mitgemeint fühlen“ müssen.

Unsere Entscheidung: Gender*Stern und neutrale Formen

Neutrale Formulierungen wie „Mitarbeitende“ oder „Team“ haben einen großen Vorteil: Sie sind automatisch „entgendert“, was in einer so stark gegenderten Sprache wie dem Deutschen nur sehr selten der Fall ist. Die meisten Menschen verstehen sie sehr gut und sie benötigen keine neuen Zeichen im Schriftbild. Letzteres ist vor allem aus Gründen der Barrierefreiheit ein wichtiger Punkt. Leider lassen sich aber im Deutschen nicht aus allen Wörtern neutrale Formulierungen bilden; Wortarten wie Pronomen (z. B. er, ihre) oder Artikel (z. B. der, die, das) machen das zum Beispiel unmöglich.

Daher gibt es als Ergänzung den Gender*Stern. Er ist die von großen Teilen der queeren Selbstvertretungen bevorzugte Variante, wenn es um gendersensible Sprache geht. Er spricht Menschen aller Geschlechter gleichwertig an und nutzt mit dem Stern ein Symbol, das auch optisch keine Herabsetzung bedeutet (wie es zum Beispiel beim längere Zeit verbreiteten Gender_Gap [z. B. Mitarbeiter_innen] der Fall war). Im Gegenteil: Der Asterisk hat eine symbolische Bedeutung als Platzhalter für alle Geschlechter jenseits der Binarität von Mann und Frau.

Und warum kein Gender:Doppelpunkt (z. B. Mitarbeiter:innen)? Dieser hat als Genderzeichen in den letzten Jahren eine immer größere Verbreitung gefunden, vor allem, weil sich der Mythos verbreitete, er sei für seheingeschränkte Personen, die Screenreader für das Lesen von Texten verwenden, die bessere und somit barriereärmere Variante. Behindertenselbstvertretungen wie der Deutsche Blinden- und Sehbehindertenverband und die Überwachungsstelle des Bundes für Barrierefreiheit von Informationstechnik widersprechen aber aus mehreren Gründen stark und empfehlen daher, den Gender*Stern zu verwenden, wenn keine neutralen Formen möglich sind.

In der nächsten Zeit werden Sie in unseren Texten also von Partner*innen, Lehrenden, Teilnehmenden und Akteur*innen lesen. Die Kombination aus neutralen Formulierungen und dem Gender*Stern erscheint nach aktuellem Stand der inklusivste Kompromiss (für alle Geschlechter und für Menschen mit unterschiedlichen Behinderungen) zu sein.

Ansprechpartnerin

Rebecca Görmann
Referentin Öffentlichkeitsarbeit
+49 30 7675853-55
rebecca.goermann@initiatived21.de