Digitale Kompetenzen im Altersvergleich: Neue D21-Auswertung zeigt unterschiedliche Generationenprofile in Deutschland und Österreich
Neue Auswertung des D21-Digital-Index zeigt: Unter den Onliner*innen sind Österreichs Senior*innen digital deutlich kompetenter als ihre deutschen Altersgenoss*innen – zugleich zeigen sich junge Österreicher*innen in mehreren Bereichen weniger digital kompetent und offen als junge Deutsche. Die Initiative D21 fordert daher altersgerechte Strategien und zielgruppenspezifische Bildungsformate.
Berlin. Für die Auswertung wurden die Ergebnisse aus der Erhebung des D21-Digital-Index, der in Zusammenarbeit mit A1 diesen Sommer erstmalig in Österreich durchgeführt wurde, mit den Daten des D21-Digital-Index in Deutschland verglichen. Der Vergleich zeigt: Unter den Onliner*innen erreicht Österreich 65 von 100 Indexpunkten und liegt damit vor Deutschland mit 62 Punkten. Dieser Vorsprung zeigt sich vor allem in den Bereichen Zugang zur digitalen Welt und digitale Kompetenz – die Onliner*innen in Österreich verfügen über einen besseren Zugang und höhere Fähigkeiten im Umgang mit digitalen Technologien. Auch die Nutzungsintensität digitaler Angebote ist etwas höher. Bei der Einstellung zur Digitalisierung liegen die beiden Länder dagegen näher beieinander, wobei die österreichischen Onliner*innen insgesamt etwas kritischer eingestellt sind.
Schaut man sich diese Werte für die Gesamtbevölkerung an, ergibt sich zunächst ein ähnliches Bild. Doch ein genauerer Blick auf die Altersgruppen offenbart deutliche Unterschiede: Digitale Kompetenzen, Einstellungen und Resilienz verteilen sich in Österreich und Deutschland sehr unterschiedlich über die Generationen.
Digital souverän im Alter – Österreich profitiert von gezielten Bildungsangeboten
Besonders deutlich zeigt sich ein Alterseffekt: Ältere Menschen ab 65 Jahren in Österreich verfügen deutlich häufiger über digitale Kompetenzen als Senior*innen in Deutschland. Je nach Kompetenzbereich liegen die älteren Österreicher*innen teils um 20 Prozentpunkte vorn; im Durchschnitt bewegen sich die Unterschiede zwischen 10 und 15 Prozentpunkten. Auch bei den digitalen Basiskompetenzen liegen sie klar vorn (+15 PP), was vermutlich dazu beiträgt, dass sie insgesamt resilienter im digitalen Wandel sind als ihre deutschen Altersgenoss*innen (+5 PP).
Ein möglicher Grund für diese Unterschiede: Ältere Österreicher*innen eignen sich deutlich häufiger neues digitales Wissen an – sowohl über informelle Wege als auch über formale Weiterbildungsangebote, wie zum Beispiel die A1 Seniorenakademie, die seit mehr als 10 Jahren kostenlose Kurse für Senior*innen anbietet. In Deutschland gaben in der Erhebung im Juli 2024 rund 30 Prozent der über 65-Jährigen an, sich im zurückliegenden Jahr kein neues Wissen zu digitalen Themen angeeignet zu haben. In Österreich waren es laut der Erhebung von Mai 2025 lediglich 18 Prozent.
Unterstützt wird diese Lernbereitschaft durch ein Umfeld, das digitale Weiterbildung seit Jahren systematisch fördert. Österreich investiert schon lange in Programme wie die nationale Digitale Kompetenzoffensive (DKO) sowie in zielgruppenspezifische Bildungs- und Schulungsangebote für ältere Menschen. Diese Investitionen scheinen sich auszuzahlen: Sie ermöglichen eine souveränere Nutzung digitaler Angebote – vom sicheren Umgang mit Online-Diensten bis zur kompetenten Einschätzung von Informationen im Netz.
Junge Menschen: Ein anderes Profil als in Deutschland
Ganz anders präsentiert sich das Bild bei den jüngeren Menschen: Junge Österreicher*innen zwischen 14 und 29 Jahren zeigen sich in mehreren Bereichen weniger digital offen und kompetent als junge Deutsche. In manchen Kompetenzen liegen sie gleichauf oder leicht über ihren deutschen Altersgenoss*innen, in anderen – etwa bei alltagspraktischen digitalen Kompetenzen oder der Nutzung von Online-Behördendiensten – hinter den Deutschen in derselben Altersgruppe. Sie verfügen zudem seltener über digitale Basiskompetenzen (-8 PP), zeigen eine skeptischere Haltung gegenüber der Digitalisierung und sind seltener resilient im digitalen Wandel (-11 PP).
Während in Deutschland also meist die einfache Formel „je jünger, desto digitaler“ gilt, und zwar in allen Bereichen, ist dieser Zusammenhang in Österreich deutlich komplexer. In einzelnen Kompetenzbereichen übertreffen ältere Österreicher*innen die Jüngeren klar – insbesondere bei digitaler Sicherheit und digitalem Wohlbefinden. Gleichzeitig liegen junge Österreicher*innen in sehr technischen, komplexen und berufsbezogenen Kompetenzen auch hier deutlich vor den Älteren.
Zielgruppengerechte Digitalstrategien statt „One Size fits all“
Aus Sicht der Initiative D21 zeigt der Ländervergleich, dass eine „One Size fits all“-Strategie beim Aufbau digitaler Kompetenzen nicht funktioniert. Unterschiedliche Altersgruppen haben unterschiedliche Voraussetzungen, Bedarfe und Sorgen. Entsprechend braucht es Strategien, die diese Unterschiede ernst nehmen: Angebote für ältere Menschen, die Hürden abbauen und alltagsrelevante Kompetenzen stärken, und gleichzeitig Formate für junge Menschen, die über alltägliche Nutzung hinausgehen und digitale Souveränität und Gestaltungskraft vertiefen.
Deutschland verschenkt digitales Potenzial in allen Altersgruppen. Österreichs systematische Förderung älterer Menschen räumt mit dem Mythos auf, dass Senior*innen per se digital weniger kompetent wären – sie zeigt: Mit den richtigen Programmen können Ältere digital souveräner werden als unsere Jugend. Gleichzeitig brauchen auch junge Deutsche mehr als nur Smartphone-Skills. Die Bundesregierung sollte ihre Kompetenzoffensive generationenübergreifend ausrollen – sonst bleibt Deutschland digital gespalten."
Natascha Kantauer-Gansch, Vorständin bei A1 und Initiatorin der D21-Digital-Index-Erhebung für Österreich, betont die Rolle des Unternehmens:
Der Ländervergleich zeigt, wie wichtig generationenübergreifende digitale Bildung ist. Als größter Telekommunikationsanbieter Österreichs tragen wir hier eine besondere Verantwortung. Deshalb engagieren wir uns nicht nur mit dem A1 digital.campus, der Kindern und Jugendlichen frühzeitig digitale Kompetenzen vermittelt, sondern auch mit unserer A1 Seniorenakademie, die älteren Menschen den sicheren Umgang mit digitalen Technologien erleichtert. Zusätzlich bieten wir umfassende Sicherheitslösungen für Privatkunden. Nur wenn alle Generationen mitgenommen werden, können alle vom digitalen Fortschritt profitieren.
Digitale Teilhabe ermöglichen – für alle Generationen
Der Blick nach Österreich macht deutlich, wie wirksam zielgruppenspezifische Bildungsstrategien sein können. Die Ergebnisse zeigen: Investitionen in passgenaue Formate und Maßnahmen zahlen sich aus. Gleichzeitig wird klar, dass die Stärkung digitaler Kompetenzen eine Daueraufgabe entlang der gesamten Bildungskette bleibt – selbst für diejenigen, die in eine digitale Welt hineingeboren werden. Denn auch sie müssen befähigt werden, digitale Technologien souverän und reflektiert zu nutzen. Digitale Kompetenzen sind nicht nur Voraussetzung für gesellschaftliche Teilhabe bis ins hohe Alter, sondern auch entscheidend, um die Welt von heute und morgen aktiv mitzugestalten und von ihren Chancen zu profitieren – ob im Beruf oder im Alltag. Damit niemand im digitalen Wandel zurückbleibt, braucht es moderne digitale Angebote sowie Begleit- und Bildungsformate, die unterschiedliche Lebenslagen ernst nehmen und alle Generationen mitnehmen.
Aus diesem Grund unterstützt die Initiative D21 die Umsetzung der altersübergreifenden digitalen Kompetenzoffensive im Koalitionsvertrag und wird diese mit ihrem Netzwerk und ihren Studien begleiten.