Digitale Gesellschaft im Vergleich: Österreich & Deutschland

Sonderauswertung zum D21-Digital-Index

Der D21-Digital-Index ist seit vielen Jahren Deutschlands wichtigstes Lagebild zur Digitalisierung der Gesellschaft. Er zeigt, wie tief die digitale Transformation verschiedene Lebensbereiche durchdringt und wie gut Bürger*innen mit den Anforderungen des Wandels umgehen können. Gleichzeitig offenbart er Spaltungen und Herausforderungen: Wer profitiert, wer droht abgehängt zu werden? 2025 wurde nun das erste Mal auch ein Digital-Index für Österreich erhoben. Für die vorliegende Auswertung wurden die Ergebnisse aus der Erhebung des D21-Digital-Index in Österreich mit den Daten des D21-Digital-Index in Deutschland verglichen.

Der D21-Digital-Index für Deutschland ist eine Studie der Initiative D21, wird durchgeführt von Kantar und gefördert vom Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz. A1 hat den D21-Digital-Index 2025 nach Österreich gebracht, ebenfalls durchgeführt von Kantar.

Fazit der Autor*innen: Digitale Teilhabe braucht altersgerechte Strategien

Der Vergleich von Deutschland und Österreich zeigt deutlich: Digitale Kompetenz ist kein Selbstläufer. Sie entsteht nicht automatisch durch das Aufwachsen mit digitalen Geräten und Anwendungen oder technischer Verfügbarkeit, sondern muss gezielt gefördert werden – entlang der gesamten Bildungskette und unter Berücksichtigung der unterschiedlichen Lebenslagen.

Österreich macht sichtbar, welchen Unterschied systematische und zielgruppenspezifische Bildungsangebote für ältere Menschen machen können: Nicht die Jüngsten, sondern die Ältesten treiben den Vorsprung Österreichs im Digital-Index. Gleichzeitig zeigen die Ergebnisse, dass junge Menschen stärker unterstützt werden müssen, um digitale Technologien souverän, sicher und reflektiert für ihre eigenen Zwecke und Lebensrealitäten nutzen zu können. Nur so können sie davon profitieren, statt überfordert zu werden. 

Für die Digitalpolitik bedeutet das: Eine erfolgreiche digitale Transformation gelingt nur, wenn alle Generationen auf diesem Weg mitgenommen werden und passende Angebote für unterschiedliche Bedarfe bereitstehen.

Ergebnisse

Österreich im Digital-Index vor Deutschland – mit überraschenden Altersmustern

Digital-Index Deutschland: 62, Digital-Index Österreich: 65
Der D21-Digital-Index für Deutschland und Österreich
Basis: Onliner*innen ab 14 Jahren, Deutschland (n=7.078), Österreich (n=2.102); Angaben in Index-Punkten von 0 bis 100

Die aktuelle Sonderauswertung des D21-Digital-Index zeigt deutliche Unterschiede in der digitalen Teilhabe in Deutschland und Österreich: Österreich erreicht 65 von 100 Index-Punkten und liegt damit vor Deutschland (62 Index-Punkte). Der Vorsprung ergibt sich vor allem aus einem besseren Zugang und einem insgesamt höheren Kompetenzniveau der Bevölkerung. Der Blick auf die Altersgruppen offenbart ein ungewöhnliches Muster: Ältere Österreicher*innen verfügen über besonders hohe digitale Kompetenzen – deutlich ausgeprägter als ältere Menschen in Deutschland. Jüngere Österreicher*innen hingegen bleiben bei einigen Kompetenzen nicht nur hinter den Älteren zurück, sondern auch hinter ihren deutschen Altersgenoss*innen. Bei mehreren digitalen Alltagsfähigkeiten liegen junge Deutsche klar vorn.

Vier Dimensionen digitaler Teilhabe

Zugang:
DE: 87, AT: 92
Kompetenz:
DE: 65, AT: 70
Grundeinstellung:
DE: 55, AT: 53
Nutzung:
DE: 54, AT: 57
Die 4 Säulen des D21-Digital-Index für Deutschland und Österreich
Basis: Onliner*innen ab 14 Jahren, Deutschland (n=7.078), Österreich (n=2.102); Angaben in Index-Punkten von 0 bis 100

Der Digital-Index misst digitale Teilhabe entlang von vier Dimensionen und damit entlang der Frage, ob Menschen digital teilhaben können und wollen. Österreich erzielt in drei der vier Dimensionen höhere Werte als Deutschland:

Können Menschen teilhaben?

  • Zugang zur digitalen Welt: AT 92 von 100 Index-Punkten | DE 87 von 100 Index-Punkten
  • Digitale Kompetenz: AT 70 Index-Punkte | DE 65 Index-Punkte

Wollen Menschen teilhaben?

  • Nutzungsverhalten: AT 57 Index-Punkte | DE 54 Index-Punkte
  • Einstellung zur Digitalisierung: AT 53 Index-Punkte | DE 55 Index-Punkte

Der Vorsprung zeigt sich damit vor allem im Zugang zu digitalen Möglichkeiten und in den Fähigkeiten, diese Angebote sicher und souverän zu nutzen. Überraschend ist, dass sich diese stärkere Souveränität im Umgang mit der digitalen Welt nicht in einer positiveren Grundhaltung gegenüber der Digitalisierung widerspiegelt. Im Gegenteil: In Deutschland liegt der Wert für die digitale Einstellung leicht über dem österreichischen.

Digitale Kompetenzen: Breite Stärke in Österreich, Aufholbedarf in Deutschland

Eine Kompetenzspinne, die zeigt, dass Österreich bei allen Kompetenzfeldern stärker aufgestellt ist als Deutschland. Besonders groß ist der Unterschied bei der Informations- und Datenkompetenz, am kleinsten bei Kommunikation und Kollaboration.
Digitalkompetenzfelder im Vergleich
Basis: Onliner*innen ab 14 Jahren, Deutschland (n=7.078), Österreich (n=2.102); Angaben in Prozent, Durchschnittswerte Top2 (Trifft voll und ganz zu/Trifft eher zu)

Mehr als die Hälfte der Österreicher*innen (56 %) verfügt über alle 5 digitalen Basiskompetenzen – 3 Prozentpunkte (PP) mehr als in Deutschland. Aber auch in den anderen untersuchten digitalen Kompetenzen zeigen sich die Menschen in Österreich im Schnitt souveräner: Die Unterschiede liegen teilweise bei 10 PP und mehr, etwa beim Erkennen von KI-Inhalten, der Einschätzung von Informationsquellen, dem Umgang mit Urheberrechten oder der Bewertung potenziell riskanter digitaler Aktivitäten.

Nur in wenigen Alltagskompetenzen, beispielsweise bei der Informationssuche oder dem Erstellen einfacher Texte, zeigen sich in Deutschland und Österreich vergleichbare Werte. Auffällig ist: Deutsche Onliner*innen schneiden in keiner Kompetenz besser ab als österreichische – zumindest im Bevölkerungsschnitt. Ein deutlich differenzierteres Bild ergibt sich jedoch bei genauerem Blick in die Altersgruppen.


Altersprofile im Fokus

Digital kompetent und resilient bis ins Alter? 

Basiskompetenzen
14-29 Jahre
DE: 54, AT: 46
30-29 Jahre
DE: 57, AT: 57
50-64 Jahre:
DE: 54, AT: 62
65+ Jahre:
DE: 42, AT: 57
Menschen, die alle 5 digitalen Basiskompetenzen beherrschen
Basis: Onliner*innen ab 14 Jahren, Deutschland (n=7.078), Österreich (n=2.102); Angaben in Prozent

Der größte Unterschied zwischen beiden Ländern zeigt sich beim Blick auf die älteren Menschen: Österreicher*innen ab 65 Jahren verfügen deutlich häufiger über umfassende digitale Kompetenzen als Gleichaltrige in Deutschland. Während nur 42 % der deutschen Senior*innen über alle fünf digitalen Basiskompetenzen verfügen, sind es in Österreich 57 %. In einigen weiteren untersuchten digitalen Fähigkeiten beträgt die digitale Kompetenzlücke sogar bis zu 20 PP, etwa wenn es darum geht, grundlegende Funktion am Smartphone anpassen zu können.

Dieser Vorsprung ist mit großer Wahrscheinlichkeit auch auf die ausgeprägtere Bereitschaft zur Weiterbildung in dieser Altersgruppe zurückzuführen: Während in Deutschland 30 % von ihnen in den letzten 12 Monaten kein neues digitales Wissen erworben haben, sind es in Österreich nur 18 %. Tatsächlich zeigen sich alle Altersgruppen in Österreich lernbereiter als ihre deutschen Altersgenoss*innen, der Unterschied fällt mit 12 PP bei den Älteren aber am größten aus.

Breitere digitale Kompetenzen und größere Bereitschaft zum lebenslangen Lernen zahlen sich aus: Ältere Österreicher*innen erweisen sich häufiger als resilient im digitalen Wandel als ältere Deutsche (67 % zu 62 %, +5 PP). Und nicht nur das – sie sind auch deutlich öfter resilient als jüngere Österreicher*innen (67 % zu 57 %, +10 PP).

Je jünger, desto digitaler? 

Bereits 2024 zeigte der D21-Digital-Index: Digitale Basiskompetenzen sind der zentrale Treiber, um im digitalen Wandel resilient und damit zukunftsfähig zu bleiben.

Resilienzindikator
14-19 Jahre:
D 68, AT 57
30-49 Jahre:
D 68, AT 63
60-64 Jahre:
D 65, AT 65
65+ Jahre
D 62, AT 67
Digitale Resilienz nach Alter
Basis: Onliner*innen ab 14 Jahren, Deutschland (n=7.078), Österreich (n=2.102); Anteil derjenigen, die mind. 3 von 5 Resilienz-Faktoren besitzen; Angaben in Prozent

In Österreich verfügen jedoch nur 46 % der 14- bis 29-Jährigen über alle 5 digitalen Basiskompetenzen (Deutschland: 54 %). Diese Kompetenzlücke spiegelt sich auch in der digitalen Resilienz wider: Während 68 % der jungen Deutschen gut auf den fortschreitenden Wandel vorbereitet sind, trifft dies nur auf 54 % der jungen Österreicher*innen zu (-11 Prozentpunkte).

Neben den Basiskompetenzen beeinflusst auch die Einstellung zur Digitalisierung, wie stark sich junge Menschen in einer sich rasant verändernden digitalen Welt überfordert fühlen. Junge Österreicher*innen empfinden deutlich häufiger den Druck, ständig online sein zu müssen (51 %, Deutschland: 38 %, +13 PP), glauben aber seltener, von der Digitalisierung persönlich zu profitieren (59 %, Deutschland: 65 %, -6 PP). Auch für ihr Land sehen sie seltener Vorteile durch die Digitalisierung (51 %, Deutschland: 58 %, -7 PP).

Die einfache Formel „je jünger, desto digitaler“ trifft in Deutschland zu, gilt in Österreich jedoch nicht. Zwar sind junge Menschen dort technisch versierter als ältere Mitbürger*innen, insbesondere bei anspruchsvolleren und berufsbezogenen digitalen Kompetenzen. Bei digitalen Alltagskompetenzen zeigen sie sich jedoch weniger souverän – und gleichzeitig weniger resilient im digitalen Wandel als die Älteren. 


Einstellungen zum digitalen Wandel: Zwischen Nutzung und Zurückhaltung

Ich finde, es wird zu viel digitalisiert und wir sollten wieder mehr offline machen: DE 23, AT 23
Solange es analoge Alternativen gibt, finde ich es okay, wenn Dinge digitalisiert werden: DE 38, AT 51
Ich denke, dass man noch viel mehr digitalisieren sollte, aber nicht alles: DE 22, AT 16
Ich finde, man sollte so viel wie möglich digitalisieren; analoge Alternativen braucht es auf Dauer nicht: DE 10, AT 5
Keine Angabe: DE 7, AT 5
Einstellungen gegenüber der Digitalisierung
Basis: Onliner*innen ab 14 Jahren, Deutschland (n=7.078), Österreich (n=2.102); Angaben in Prozent

Österreich weist einen geringeren Anteil an Personen auf, die digitale Angebote nur sehr eingeschränkt nutzen („zufriedene Aussitzer*innen“), als Deutschland. Gleichzeitig sind solche Gruppen stärker vertreten, die die Digitalisierung zwar nutzen, ihr jedoch mit Vorsicht oder Skepsis begegnen („ablehnende Mitte“, „ambivalente Profis“).

Diese ambivalente Haltung zeigt sich auch bei der Bewertung des digitalen Fortschritts: Während in beiden Ländern etwa ein Viertel der Menschen den Eindruck hat, es werde zu viel digitalisiert, fordern Österreicher*innen deutlich häufiger analoge Alternativen ein (51 %, DE: 38 %). Sie bewerten auch die Chancen der Digitalisierung insgesamt zurückhaltender als die deutsche Bevölkerung: 52 % glauben, persönlich von der Digitalisierung zu profitieren (DE: 56 %), und 45 % sehen Vorteile für ihr Land (DE: 52 %).

Österreicher*innen berichten auch mehr von Ausgrenzungserfahrungen aufgrund fehlender digitaler Fähigkeiten, insbesondere im Kontakt mit Verwaltung und Banken oder bei Vertragsabschlüssen. Und: Mehr Österreicher*innen empfinden digitalen Druck (36 %, DE: 29 %) und das Gefühl, ständig online sein zu müssen (33 %, DE: 24 %). Besonders stark ausgeprägt ist dies bei jungen Menschen (51 %).

Ein deutliches positives Signal in Sachen Einstellung hat Österreich aber bei der schulischen digitalen Bildung zu bieten: 47 % der Bevölkerung trauen Schulen zu, junge Menschen gut auf den digitalen Wandel vorzubereiten – in Deutschland sind es nur 29 %.

Mehr Sorge vor Anfeindungen und Demokratiegefährdung

Ein weiteres auffälliges Ergebnis: 39 % der Österreicher*innen geben an, sich aus Angst vor Anfeindungen seltener online zu äußern – in Deutschland sind es nur 29 %

Diese Zurückhaltung geht einher mit einer stärkeren Sorge um die Demokratie: 30 % der Österreicher*innen sehen in der Digitalisierung eine Gefahr für demokratische Prozesse (DE: 23 %). Besonders ausgeprägt in Österreich ist diese Sorge bei den Jüngsten (14–29 Jahre, +13 PP) und den Ältesten (65+, +16 PP).

Ansprechpartnerin in der Geschäftsstelle

Porträt von Sandy Jahn

Sandy Jahn, Referentin Strategic Insights & Analytics (sie/ihr)

Wir danken den Partner*innen des D21-Digital-Index 2024/2025:

Logotapete der Studienpartner*innen: Förderer: Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz // Premiumpartner*innen: aconium GmbH, Atruvia AG, Amazon Web Services EMEA SARL (Niederlassung Deutschland), Deloitte Consulting GmbH, Digitalagentur Thüringen GmbH, Google Germany GmbH, HUAWEI TECHNOLOGIES Deutschland GmbH, ING Deutschland, Telefónica Germany GmbH & Co. OHG // Classic Partner*innen: BARMER, Capgemini Deutschland GmbH, PwC Strategy& (Germany) GmbH // Unterstützer*innen: Bundesagentur für Arbeit, Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Didacta Verband e. V. – Verband der Bildungswirtschaft, Kompetenzzentrum Technik-Diversity-Chancengleichheit e. V.