Wir stehen vor der dritten Welle der Digitalisierung – unsere Umwelt wird immer vernetzter (Internet der Dinge), immer mehr Abläufe werden in Zukunft automatisiert stattfinden (Algorithmen, KI). Mit einher gehen tiefgreifende gesellschaftliche Veränderungen, die bisher zum Teil erst in Umrissen erkennbar sind und bis in den Bereich der Ethik, grundsätzlicher Wertevorstellungen und persönlicher Freiheiten gehen.

Diskutiert wird diese Entwicklung aktuell vor allem im Bereich des autonomen Fahrens. Doch sie wird nicht auf diesen Bereich beschränkt bleiben, sondern sich z. B. auf den Gesundheits- und Pflegesektor, den Finanzmarkt, auch die Landwirtschaft und unseren gesamten Alltag ausbreiten. Ein breiter gesellschaftlicher Diskussions- und Meinungsbildungsprozess ist unseres Erachtens essentiell, um den Menschen und Entscheidungsträgern in unserem Land (Wirtschaft und Politik) eine differenzierte Bewertung der Perspektiven, Chancen und Risiken solch fundamentaler Veränderungen der Digitalisierung zu ermöglichen. Diesen Prozess begleitet die Arbeitsgruppe Digitale Ethik.

Ziel ist es, ethische Grundvorstellungen in die digitalisierte Welt zu übersetzen.

  • Nach welchem Wertekanon können, sollen und werden die zugrunde liegenden Algorithmen in Zukunft Entscheidungen im Bereich von Millisekunden treffen? Anders als der Mensch müssen Maschinen und Systeme programmiert werden, um Entscheidungen treffen zu können. Dies führt zu einer neuen Logik des Entscheidens: Entscheidungen müssen vorweggenommen werden. In der Konsequenz müssen wir heute Vorab entscheiden, wie ein Fahrzeug sich z. B. in Konfliktsituationen verhalten soll.
  • Sollen ethische Regeln Entscheidung eines Einzelnen, also Programmierers, Herstellers, oder Unternehmers, sein, oder wäre es nicht besser, sie würden einem gesellschaftlichen Konsens entspringen?
  • Neben der Gestaltung der Algorithmen stellt sich auch die Frage, ob die Gestaltung der Interaktion einer Maschine mit dem Menschen einem Wertekanon folgen kann und soll: Muss dem Menschen z.B. immer unmittelbar erkennbar sein, dass er es mit einer Maschine und nicht mit einem anderen Menschen zu tun hat, z. B. wenn im Bereich der Pflege ein Roboter Fürsorgeaufgaben übernimmt, ein Bot im Call-Center eingesetzt wird oder die Haussteuerung per Sprachsteuerung vorgenommen wird?
  • Und es stellt sich die Frage der Entscheidungsautonomie:
    • Gibt es ganz generell Bereiche, die nicht von Maschinen übernommen werden dürfen/sollen?
    • Ist es unsere Verantwortung, Entscheidungsautonomie auf Maschinen und Algorithmen zu übertragen, wenn diese nachweislich besser sind als wir?

Die Entscheidungslogik der Algorithmen und die Wirklichkeitstreue intelligenter Maschinen haben verschiedene Konsequenzen und eröffnet ein weites Feld. Mit der Arbeitsgruppe trägt die Initiative D21 dazu bei, wesentliche Debattenfelder der digitalen Ethik zu identifizieren und gemeinsam mit Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft zu erschließen.

Ansprechpartner

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Vorsitz

Nicolai Andersen,
D21-Vorstand und Leiter der Arbeitsgruppe,
Deloitte

Die nächsten Sitzungen finden statt am:

  • Donnerstag, 30. März 2017
  • Montag, 29. Mai 2017
  • Montag, 18. September 2017
  • Dienstag, 21. November 2017

Alle Sitzungen werden unter Veranstaltungen angekündigt.

Interessierte Mitstreiter können die Leitung der Arbeitsgruppe kontaktieren:
ethik@initiatived21.de